Auf einer Wellenlänge mit sich selbst

Vom Klang in uns – und wie wir ihn benutzen können

Eines Morgens, als ich in die dritte Klasse ging, war ich sehr schläfrig. Der Rechenlehrer hatte es viel zu eilig, und genau wie die anderen Kinder, hatte ich keine besondere Lust, ihm zu folgen. Ich steckte die Finger in die Ohren und zu meiner Verwunderung konnte ich Töne hören. Es klang wie Glockenläuten, und ich wunderte mich, wo sie wohl her kämen. Ich nahm die Finger heraus und hörte keine Glocken im Klassenzimmer, nur die eintönige Stimme des Lehrers. Ich steckte die Finger wieder in die Ohren und begann auf dieses Glockenläuten zu hören. Ich bemerkte, daß die Klänge sich veränderten und ein Hochfrequenzton langsam deutlicher wurde. Der Klang war nicht unangenehm und er wurde ständig klarer.

Nach einer Weile nahm ich die Finger wieder aus den Ohren und wunderte mich, daß ich jetzt ganz ohne Probleme den Erklärungen des Lehrers folgen konnte. Ich fühlte mich klar und frisch im Kopf im Gegensatz zu meinen Klassenkameraden, die über ihren Büchern hingen.“ (Ananda Murti)

Meine Mutter kam aus einem christlichen Milieu in Südjütland, und obwohl sie als Erwachsene keine Christin war, benutzte sie manchmal Ausdrücke, die ihre Wurzel in der christlichen Mystik hatten.

Sie arbeitete täglich in ihrem Kräutergarten. Wenn sie spät am Nachmittag mit dem Gemüse für das Abendessen kam, pflegte sie zu sagen: „Uhmmm – es ist so wunderbar draußen, es läßt die Engel singen…“

Ich kann mich erinnern, daß ich als Zehnjähriger beinahe jeden Tag in der Dämmerung unten am Bach saß und angelte. Zu diesem Zeitpunkt konnte es eine atemlose Stille geben, kurz bevor das Licht verschwand. In diesem Zusammensein mit der Natur hörte ich hohe Töne über mir, feinen hellen Stimmen ähnlich – aber wenn ich nach oben in den Abendhimmel schaute gab es dort keine Engel. Für mich gab es die Töne nur, wenn ich wirklich mitten beim Spielen war.“ (Omkarananda)

Eine Frau, die an einem längeren Kurs in Österreich teilnahm, war sehr begeistert von Nada Yoga, denn sie hatte während der Nada Yoga Meditation die schönste Musik gehört – sie übertraf alles, was sie bisher gehört hatte. Sie hätte sie gerne niedergeschrieben, aber genauso wie ein Traum nach einer Weile verklingt, so verklang auch die Musik…

Eine andere Frau kam nach dem Unterricht auf einem Wochenendkurs für Fortgeschrittene (September `96 in Hannover) zu mir. Sie sei durch die Musik gestört worden, die während der Nada Yoga Meditation irgendwo im Haus gespielt worden sei. Die Musik sei schön gewesen – spanische Gitarrenmusik – aber so aufdringlich, daß sie keine anderen Töne habe hören können. Ich versicherte ihr, daß während der Meditation in der Nähe keine Musik gespielt worden sei – und im übrigen habe sie ja auch die Finger in den Ohren gehabt.“(Hamsananda)

Eines Vormittags lag ich auf dem Rücken und praktizierte Yoga Nidra, nach einem kurzen Programm von Yogastellungen und Atemübungen. Plötzlich erlebte ich eine sehr angenehme klassische Musik, mit Streichern, Flöte und Harfe. Die Musik war so wirklich wie in einem richtigen Konzert. Vielleicht bewirkte die Entspannung, daß ich die Musik genoß, ohne mich zu wundern woher sie kam. Als mir aber aufging, daß die Musik ein Teil meiner Meditation war, war ich so überrascht, daß die Musik verschwand.“ (Omkarananda)

Tinnitus, Nada Yoga und die Ohrenkerze der Hopis

Lizzie hat Tinnitus (Rauschen in den Ohren). Sie hat dies seit einem Unfall, bei dem sie kräftig mit dem Kopf aufschlug. Sie ist jedoch nicht überempfindlich für Geräusche. Ihr Tinnitus klingt schlimmstenfalls wie das Rauschen im Wald, kann sich aber auch wie ein Dieselmotor oder andere brummende Geräusche anhören. Da die Klänge konstant vorhanden sind, hat sie ständig Kopfschmerzen. Die Verwendung von Ohrenkerzen bringt ihr Erleichterung. Die Kopfschmerzen verschwinden, und selbst wenn die Klänge in schwächerem Grad noch vorhanden sind, stören sie nicht. Diese Wirkung hält einige Tage an.

Ich habe Lizzie Nada Yoga beigebracht. Sie berichtet, daß sie oft auf die Tinnitustöne höre, ohne die Finger in die Ohren zu stecken. Die Töne werden transformiert zu Hochfrequenztönen und stören sie nicht länger. Sie sagt, daß ihr Körper sich völlig entspanne, wenn die Töne auf diese Weise höher werden.

Für Lizzie ist der Nada Yoga Ton deutlich anders als der Tinnitus-Ton.“ (Ananda Murti)

Musiker benutzen Nada Yoga als kreatives Werkzeug – bewußt oder unbewußt

Musik im Inneren zu erleben, ist nichts Neues. Viele klassische Komponisten und moderne Musiker haben beschrieben, wie sie in einem entspannten Zustand Musik erlebten und sie anschließend in Noten niederschreiben konnten.

„Früher verbrachte ich beinah all meine Zeit damit, Musik zu machen. Ich hatte eine intensive Übungspraxis, in der ich mehrere Stunden lang dabei blieb, und da brauchte ich eine effektive Methode, um kurze Pausen zu machen – um ,die Tafel rein zu wischen`.

Ich entdeckte, daß Nada Yoga so ziemlich das Beste war, was ich anwenden konnte. Wenn ich beim Üben zu einem Punkt gelangt war, an dem es paßte, und wenn ich es nötig hatte, dann rollte ich eine kleine, harte , Wurst` aus dem, was gerade zur Hand war – einem Sweatshirt, einer Jacke, einem Halstuch oder ähnlichem – und ich setzte mich am Boden in der Nada Yoga Stellung darauf (siehe Bild diese Seite und Artikel Seite 8 ff).

Wenn ich für längere Zeit Musik gespielt hatte, war der Nada Yoga Klang immer stark, und er war leicht zu hören. In der Regel als hoher klarer Ton auf den ich intensiv hörte, bis dahinter ein feinerer Ton zu hören war. Dann , sprang` ich weiter zu diesem und hörte weiter.

Ich blieb dabei, bis zu dem Punkt, wo ich nicht länger von Gedanken, Gefühlen oder Zuständen unterbrochen wurde. Dem Punkt, an dem ich alles andere vergaß und nur den Klang hörte. Dann hörte ich auf. Das Ganze hatte nur wenige Minuten gedauert und vielleicht war ich mit dem Nada Yoga Klang nur für den Bruchteil einer Sekunde eins. Das aber reichte.

Ich fühlte mich klar im Kopf, gleichzeitig konzentriert und entspannt, und mein Gehör war wieder offen und scharf. Und wenn ich weiter spielte, dann spielte ich wieder Musik und keine leere Technik.

Die Musik war nicht länger Arbeit sondern ein Spiel.“

(Turiya)