Genügend Sauerstoff während Nadi Shodana

eine Pilotstudie


Manchmal, wenn wir Nadi Shodana (den Wechselatem) oder andere Übungen, bei denen man den Atem anhält, machen, fühlt es sich an, als ob das Bedürfnis zu atmen verschwindet.

Es ist, als ob man fortfahren könnte, den Atem anzu­halten, solange man will. Wenn mir das passiert, bekomme ich normalerweise leicht einen besorgten Gedanken, wie lange man weitermachen kann, den Atem zu halten, ohne dass ein schädlicher Mangel an Sauerstoff entsteht.3-mnd-kursen-2014-NadiShodan

Die einzig sichere Antwort auf diese Frage bekommt man, wenn man den Sauerstoffgehalt in den Pulsadern misst, während der Atem angehalten wird, was wir folglich getan haben.

Im Herbst 1998 habe ich am Karolinska Krankenhaus in Stockholm einige, teilweise interessante, Versuche durchgeführt. Einer davon wurde über die Atemübung Nadi Shodana gemacht und wird in diesem Artikel beschrieben.

Die Versuchsperson war ein normal großer Mann, um die 40 Jahre alt, mit 20 Jahren Erfahrung mit den Atemübungen des Yoga. Während des Versuchs machte er 5 Runden Nadi Shodana, wo man einatmet, den Atem anhält und ausatmet im Verhältnis 1:4:2. Das heißt, 10 Atemzüge in 15 Minuten, was relativ langsam ist (eine Person im Ruhezustand nimmt ca. 16 Atemzüge pro Minute).

Wenn man Messungen des Blutes, welches das Gehirn und andere Organe versorgt, durchführen möchte, so taugt eine normale Blutprobe aus einer Vene nicht. Man muss Zugang zum Blut einer Arterie haben, einer Schlagader, die Blut zu den Organen des Körpers leitet – das Blut, das eben die Lungen passiert hat und damit sauerstoffgesättigt ist. Ein Narkosefacharzt legte einen dünnen Plastikkatheter in die linke Radialarterie der Versuchsperson. Aus diesem wurden, während der Zeit, in der die Versuchsperson Nadi Shodana machte, wiederholt Blutproben entnommen.

Das Ergebnis

Während des gesamten Nadi Shodan und eine Weile danach wurden regelmäßig Blutproben entnommen. Vor der Atemübung betrug die Sauerstoff­sättigung des Blutes 97%, welches der Normalwert im Ruhezustand ist. Während des Experiments wurde als niedrigste Sauerstoffsättigung 88% gemessen, was ein ausreichender Sauerstoffgehalt ist.

Die Sauerstoffsättigung stieg, einige Sekunden nachdem die Übung abgeschlossen war, auf 97% zurück.

Als Vergleich kann erwähnt werden, dass man bei ganz anderen medizinischen Versuchen die Sauerstoffsättigung gesunder Versuchspersonen bis auf 75% gesenkt hat, ohne negative Neben­wirkungen.

Während des Versuchs wurden zugleich Kohlendioxyd und pH-Wert gemessen, die die selbe deutliche Veränderung und schnelle Rückkehr auf die Normalwerte aufwiesen.

Schlussfolgerung

Selbst ein ganz langsames Nadi Shodana hat keinen Sauerstoffmangel zur Folge, oder dass man überhaupt in die Nähe von beunruhigenden Werten gelangt, was Sauerstoffgehalt, Kohlendioxydgehalt oder pH-Wert betrifft.

Was es ist, das physiologisch gesehen dem Effekt von erhöhter Klarheit und Energie entspricht, den wir nach Atem­übungen spüren, ist noch nicht geklärt.

Der zweite Versuch mit Atemanhalten, bei dem wir während des Atemanhaltens schnelle Serien von Bildern des Gehirns mit einer Magnetkamera aufgenommen haben, deuten darauf hin, dass eine kräftige Aktivierung des Gehirns stattfindet; zu­nächst in den Teilen des Gehirns, die mit einer bestimmten Aufgabe beschäftigt sind, und danach, bei wiederholtem Atemanhalten, scheint die Aktivierung sich über das ganze Gehirn auszubreiten. Ich hoffe, darauf in einem zukünftigen Artikel zurückkommen zu können, wenn wir weitere Versuche gemacht haben.

SPO2: Die Sauerstoffsättigung des Blutes ist normalerweise 90-98%. Bei der Versuchsperson sank die Sauerstoff­sättigung während der Übung auf 88% als niedrigstem Wert ab, einem Wert, der dem ähnelt, den man häufig bei Höchst­leistungen von Spitzensportlern mißt.

pCO2: Während der Übung entstand eine deutliche Erhöhung des Kohlendioxyd­gehalts im Blut, der sich danach schnell normalisierte. Es ist der Anstieg von Kohlendioxyd, der das Gefühl, mehr Luft haben zu wollen, verursacht.

pH: Der pH-Wert sank während der Übung vom Normalwert 7,4 auf ein bisschen unter normal, mit 7,26 als niedrigstem Wert, ab. Dieser normalisierte sich rasch nach der Übung.

Sieh auch: Der Einfluss von Nadi Shodana auf das Gehirn