Harmonie zwischen dem Erlebenden und dem Erlebten

Über die tantrische Meditation Antar Mauna (Innere Stille) und über deren Vorfahren und Geschwister


„Wenn eine Stimmung gegen oder für jemanden entsteht,
hefte sie nicht an die Person, um die es geht,
sondern verbleibe ruhend in dir selbst.”

(Vigyana Bhairava Tantra)

Yoga und Tantra

Der Zweck von Yoga ist, auf Meditation vorzubereiten. Yoga hat keinen anderen Zweck, als den meditativen Zustand möglich zu machen.

Durch diese Methoden entstehen die ‚Nebenwirkungen’ des Yoga, die Klarheit geben, die Energie erhöhen, Krankheiten und Depression beseitigen oder was sonst im Wege stehen kann, um im meditativen Zustand verbleiben und ihn erleben zu können. Wenn der Körper an Krankheit oder Schmerzen leidet oder wenn Angst oder Sorge den Geist in solch einem Grad beschäftigen, dass sie das einzige sind, womit man sich identifizieren kann, dann muss man Wege finden, um darüber hinweg zukommen.

Das geschieht durch die Reinigungsprozesse, wie z.B. Nasenspülung oder Darmspülung (s. Seite 4); durch die Yogastellungen; die Atemübungen; durch Mudra und Bandha (‚Haltungen’ und ‚Verschlüsse’), die das Energiefeld des Körpers beeinflussen und damit die Grundhaltung zu sich selbst und der Umgebung, und dazu beitragen, die Chakras des Körpers (die psychischen Zentren) zu wecken; und schließlich durch Pratyahara, bei dem man lernt, sich von äußeren Einwirkungen frei zu machen, wie auch von Einwirkungen physischer, mental/gefühlsmäßiger oder psychischer Art. Siehe mehr darüber in einer kurzen und grundlegenden Einführung in Yoga und Meditation >>

Hindernisse, um das Ziel des Yoga erreichen zu können, hat der Rishi Patanjali vor ca. 2300 Jahren in seinem Buch Yoga Sutra beschrieben als: Krankheit, Trägheit, Zweifel, Gleichgültigkeit, Faulheit, Gier, Missauffassung, fehlende Fähigkeit die feineren Zustände zu erreichen, Mangel an Stabilität…

Mit Patanjali entstand ein Yogazweig, der die Auffassung von und die Erwartungen an Yoga prägen sollte. Der eher theoretische Yoga von Patanjali wurde in gelehrten Kreisen bevorzugt – hier wurden seine Ideale der Kontrolle des Geistes als Vorbedingungen und nicht als Ergebnisse der Praxis gesehen. Deshalb ist die Beschreibung von Yoga in Lexika und in anderer Literatur allgemein mit dieser Interpretation verknüpft worden, und mit dem Zweig, der sich nach Patanjali entwickelt hat – Raja Yoga.

Er ist in seinen vier kleinen Büchern, das jedes zwischen 30 und 40 kurze Verse enthält, sowohl inspirierend wie genial, und jede Yogaschule, die etwas auf sich hält, hat dieses Buch natürlich mit in ihrer Ausbildung – zusammen mit den anderen Texten der Tradition. Aber er hat dem intellektuellen und gutgebildeten Bürger im Osten und Westen eine Entschuldigung dafür gegeben zu denken, zu philosophieren und zu moralisieren anstatt die Wirkungen der eigentlichen Yoga- und Meditationstechniken zu erkennen und zu erleben. Es bleibt bei Vorstellungen, und die konkreten Wirkungen der praktischen Übungen bleiben aus.

Gleichermaßen wie in Europa der Puritanismus, so ließ auch in Indien Patanjalis strikte Auslegung in den Augen der Gelehrten allen anderen Yoga überschatten. Es entstanden Ideale, so groß, dass sie Yoga vom Menschen entfernten.

Natürlich beinhaltet Tantra und die tantrischen Meditationen Elemente, die im Raja Yoga beschrieben sind, aus dem einfachen Grund, weil Raja Yoga ein kleiner Zweig am Baum ist, der aus Tantra erwachsen ist.

Yoga ist ja nicht nur für die Menschen zugänglich, die das Leben und sich selbst kontrollieren wollen. Die Tantratradition enthält vieles mehr, das einem hilft sich der Veränderlichkeit des Lebens hinzugeben, und gleichzeitig eins mit sich selbst zu sein – zu lernen, ganz und gar zu leben.

Im Tantra ging man, ungestört von Modeströmungen und Begrenzungen der Zeit, weiter den ursprünglichen Weg in der Weise, wie man sich zum Leben und zur Entdeckung und Wiedereroberung seiner selbst verhält. Hier wird Wert gelegt auf praktische und konkrete Übungen, Rituale und Meditationen. Es ist etwas, das man tut, und Theorie alleine wird als eine Art Nebenprodukt betrachtet, das in der Kommunikation mit denjenigen entsteht, die die feineren Zustände noch nicht kennen. Es ist der persönliche und direkte Kontakt zwischen Menschen,auf den es ankommt, wenn dieses Wissen weitergegeben werden soll.

Grundlegend in Tantra ist, dass man eher das Erleben als Methode benutzt, als es mit Kontrolle und Beherrschen zu versuchen, darauf bauen seine Übungen, Rituale und Meditationen auf. Hier ist keine Rede von strengen Verhaltensregeln, sondern davon, bewußt und mitlebend zu sein in dem, was man sowieso tut, denkt und fühlt. Hingegeben und neutral läßt man das Erlebnis zu, ohne sich in einer Reaktion oder einem Kampf dagegen mitreißen zu lassen – und ohne sich von Einwirkungen überwältigen zu lassen oder sich aufgebend zu unterwerfen oder sich von etwas abhängig zu machen.

„Egal, welche Vorstellung oder Idee auftaucht,
die Vorgehensweise besteht darin,
sich gegenüber dem Gedanken passiv zu verhalten,
ihm zu erlauben, zu tun was er will,
weder unter seinen Einfluss zu geraten,
noch zu versuchen ihn zu hemmen …
Gib alle Versuche, Gedanken zu steuern oder zu formen ganz und gar auf…”

(Evans-Wentz: Tibetan Yoga and Secret Doctrines)

„Oh Geliebte, richte deine Aufmerksamkeit
weder auf Vergnügen noch auf Schmerz,
sondern zwischen diese.”

(Vigyana Bhairava Tantra)

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Man kann sagen, dass man in der Meditation den natürlichen Zustand und die natürliche Frequenz der Zellen wiederherstellt, man neutralisiert die Hemmungen und Einflüsse, die normalerweise den Geist fangen und einen dazu bringen, sich selbst zu vergessen und seine Identität abzulegen in etwas anderes als das, was man eigentlich ist. Ein deutliches Beispiel hierfür ist Stress. Aber auch andere physische und psychische Beschwerden und Krankheiten kann man loswerden, indem man zu dem ursprünglichen Zustand zurückkehrt – so wie er war, bevor er den Einflüssen ausgesetzt wurde, die das Gleichgewicht in Körper und Geist verschoben.

In deinem Wesen gibt es ein Bild
deiner eigenen Gesundheit
deiner eigenen wahren Form.
Und es ist leichter als du glaubst,
in ihr
zu sein,
zu ihr
zurückzukehren.

Indem man die Techniken und Meditationen des tantrischen Yoga gebraucht, und dadurch einsieht, dass das, wovon der Geist gefangen oder fasziniert wird, nur Erlebnisse sind, werden genau die Hindernisse beseitigt, die Patanjali beschreibt.

Es kann sich zum Beispiel um starke Gefühle wie Zorn oder Kummer handeln. Mitten im Zustand, mitten im Gefühl bleibt man dabei, zu erleben, und deshalb kann man dem, was man erlebt, erlauben zu geschehen. Man greift nicht ein, um den Gedanken oder das Gefühl zu stoppen, sondern erlaubt ihm, sich auszudrücken oder sich auszutoben. Man versucht nicht, das Gefühl oder den Zustand zu vermeiden, und man klammert sich nicht daran. Deshalb bleibt danach nichts in Form von Spannungen oder Groll hängen, und man kann weiter im Jetzt leben.

Ein Bild mag dies illustrieren: Als Kind konnte ich im Sommer nach längerem Schwimmen im Meer völlig vom Frieren überwältigt werden. Ich zitterte, klapperte mit den Zähnen und konnte mir kaum die Kleider anziehen und zuknöpfen, nachdem ich das Wasser abgetrocknet hatte. Dies konnte recht lange andauern, wenn ich nicht irgendwann aufgab und mir erlaubte, in dem Zustand zu sein: wenn ich mich dem Erlebnis des Zustands hingab, hörte alles Zittern und Klappern augenblicklich auf, und ich kam zur Ruhe und wurde wieder warm.

 

Die Meditation

Die Meditation lehrt uns und trainiert uns, erlebend und kreativ gegenüber der ’Wirklichkeit’ zu sein, anstatt gebunden, geblendet, unterworfen oder in einer Reaktion verhaftet zu sein.

Im Geist gibt es kleine Haken” sagte Sri Aurobindo, ein Yogi, der in der vorigen Generation in Pondicherry, in Indien, lebte. Zu diesen Haken passen bestimmte Gedanken, die wieder und wieder auftauchen, und der Geist wird von diesen Haken festgehalten. Sie halten uns gefangen in bestimmten Gedanken und Vorstellungen. Um uns frei machen zu können von Gewohnheitsgedanken und begrenzenden Ideen über uns selbst und unsere Umwelt, von Zuständen und Stress, ungewollten Schwingungen in der Laune, und dem Erlebnis von allzu viel oder zu wenig Energie, müssen wir diese Haken begradigen. Die Gedanken hängen dann nicht länger im Geist fest, wir können loslassen und sie passieren lassen.

Wie schafft man die Sklaverei unter den Gedanken ab? Es sind ja nicht nur die Meinungen, an denen wir uns festhalten und die wir verteidigen, sondern auch die mehr unbewussten automatischen Gedanken, die unsere Wirklichkeit färben. Gedanken, die von selbst in jeder Situation auftauchen, die beurteilen oder das erklären, dem wir gegenüberstehen. Können wir sie als bloße Gedanken sehen, oder glauben wir ihnen? Wie viele Male hat dein Geist ohne weiteres eine Situation beurteilt, und du hast es für gegeben genommen, dass, was der Geist dir präsentiert hat, wahr war? Wusstest du es? Oder hast du geraten? Wenn uns nicht klar wird, dass der Geist oft automatisch reagiert und uns vorgefertigte Meinungen präsentiert, sind wir in grauer Routine gefangen. Dadurch sind wir nicht fähig, die Dinge unbefangen zu sehen und nicht in der Lage uns an neue Situationen anzupassen.

Es bedarf eines besonderen Könnens, um sich über das verführerische Spiel des Geistes hinwegzusetzen. Der Geist ist ja das Mittel, das uns die Wirklichkeit präsentiert. Deshalb gibt es Techniken in der tantrischen Yogatradition, die uns u.a. helfen können, selbständig gegenüber dem Inhalt unseres Geistes zu werden.

Die Meditation, mit der wir uns hier beschäftigen wollen, heißt Antar Mauna, was wörtlich aus dem Sanskrit übersetzt Innere Stille bedeutet. Eine Perle von Meditation, die ich von Swami Satyananda lernte, als ich Ende der 60er für einige Jahre bei ihm lebte.

 

Tantra – im Buddhismus, im Hinduismus und an sich

In den alten Schriften aus der tantrischen Tradition in Kaschmir, von manchen wird gesagt, sie seien mehr als 4000 Jahre alt, findet man die ersten einfachen Anweisungen, intensive kurze Sätze oder Verse (Sutra), die ein wenig von tantrischem Yoga und Meditation enthüllen. Dies ist Teil eines Wissens, das sonst geheim in mündlicher Form von Lehrer zu Schüler weitergegeben wird – von Generation zu Generation, über Tausende von Jahren.

Es gibt verschiedene uralte Schriften, die früh dieses Wissen vom Geist andeuten, das in den Meditationen Ausdruck findet: Vigyana Bhairava Tantra, Sochanda Tantra und Malini Vijaya Tantra, hier zitiert unter dem Namen Vigyana Bhairava Tantra.

Vigyana Bhairava Tantra aus Kaschmir hatte grundlegende Bedeutung für Swami Satyanandas Unterricht in den tantrischen Meditationen. Auszüge aus der Schrift wurden im Westen 1955 erstmals von Paul Reps, in einer bearbeiteten Fassung, in der Zeitschrift Gentry, veröffentlicht und später im Buch Zen Flesh Zen Bones aufgenommen. (Deutsche Ausgabe: Ohne Worte – ohne Schweigen). Der Sanskrit Text wurde von Swami Satyananda und Swami Satsangananda in Hindi und Englisch übersetzt).

Aus der tantrischen Tradition wuchs u.a. Yoga Nidra (Tiefenentspannung). Gleichermaßen nahm nach und nach eine Meditation Form an, die in ihrer Grundform aus sieben Teilen besteht, nämlich Antar Mauna (Innere Stille). Über die Grundform hinaus gibt es fortgeschrittenere Variationen, wo sich der Lehrer während der Meditation ‚anstecken’ lässt von den Verirrungen der Schüler, um sich dann zusammen mit den Schülern von ihnen zu befreien und zum Wesentlichen zurückzukehren.

Folgendes Zitat ist aus dem Kularnava Tantra (eine etwas spätere Schrift als die oben genannten) über die Wichtigkeit der direkten Anweisung:

„Weder die vier Lebensstufen (Ashramas) noch Philosophie oder Wissenschaft können ein Mittel zur Befreiung sein; nur die Einsicht, für die alle Sastras [die tantrischen Schriften] stehen, kann dies möglich machen. Und diese Einsicht kann durch die Leitung des Gurus empfangen werden. Alle anderen Wege sind irreführend, hemmend; allein die Kenntnis der Wahrheit ist lebensspendend.

Bereits vor der Entstehung des Buddhismus gibt es Spuren von dieser Meditation in der Tantra Tradition. Ja, sogar bevor Alexander der Große das Wort Hinduismus als einen Sammelbegriff für die Lebensweise derjenigen, die am Indusfluß lebten, zu gebrauchen begann.

Bevor Teile der Tantratradition zunächst in den Hinduismus und später in den Buddhismus integriert wurden, war sie eine unabhängige Tradition und Wissenschaft. Die tantrischen Schriften wurden nach außen hin die nicht-vedischen Schriften, die Agamaren genannt, gerade um diese Selbständigkeit gegenüber den vedischen Schriften, auf denen der Hinduismus zu großem Teil beruht, zum Ausdruck zu bringen.

Hier einige Beispiele aus den uralten Anweisungen:

„Das Schätzen von Dingen und Gedanken
ist für eine erleuchtete Person
und eine unerleuchtete Person dasselbe.
Der erstere hat eine Stärke:
er verbleibt in dem subjektiven Zustand
und verliert sich nicht an die Dinge.
(Vigyana Bhairava Tantra)

„Im Zustand extremen Verlangens sei ungestört
(Vigyana Bhairava Tantra)

Als der Buddhismus nach Japan kam, legte das tantrische Element, das er in sich hatte, die Grundlage für die Za-Zen Meditation. In ihrer Haltung und all ihrer Einfachheit ist sie verwandt mit Antar Mauna. Es gibt auch viele Gemeinsamkeiten mit der etwas formellen buddhistischen Meditation Vipasana. Sie wird wohl insbesondere in Südostasien angewandt. Ihr Name kann bedeuten das, was die Bindungen löst.

In Tibet wurde aus den tantrischen Quellen eine ähnliche Methode mit der Meditation Maha Mudra entwickelt. Als sie in den 30er Jahren von Evans-Wentz präsentiert wurde, nannte er sie „den Yoga der großen Befreiung”, oder „den Yoga des großen Symbols.” Dass Wentz und die Lamas, mit denen er zusammenarbeitete, die letztgenannte etwas abstrakte Übersetzung des Titels wählten, erfordert, dass wir die Bedeutung des Wortes Symbol überdenken müssen, was ich hier jedoch unterlassen will. Wentz selbst räumt in seinem Kommentar zum Titel ein, dass Mudra Haltung oder Einstellung bedeute.

Maha Mudra kann ich auch mit meinem eigenen Hintergrund übersetzen als: die große Haltung, im Sinne von die allerbeste Haltung, die beste Haltung, die man zum Leben haben kann.

Es besteht jedoch die Gefahr bei der tibetanischen Variante, wie inspirierend sie auch sein mag, dass sie einen ziemlich großen philosophischen Überbau hat. Das kann einen leicht zum Verstehen der Begriffe verleiten, von denen man sich eigentlich frei machen sollte; man philosophiert und wird abhängig von den eigenen Vorstellungen und blockiert sich auf diese Weise für das Erlebnis und die Einsicht in der Meditation. Das liegt sicherlich ausschließlich daran, dass der direktere Unterricht von Lehrer zu Schüler, wie immer im Tantra, nicht schriftlich beschrieben werden darf oder kann. Dieses Wissen muss in der Unterrichtssituation empfangen werden. Aber wenn Maha Mudra richtig angewandt wird, kann sie, wie Antar Mauna, sowohl die grundlegendste, wie die höchste Form von Einweihung enthalten.

Hier soll die Stufe wiedergegeben werden, wo der Schüler all seine Vorstellungen aufgeben muss, ja, sogar die Vorstellungen, die er oder sie das ganze Leben lang auf dem spirituellen Weg der Religion benutzt hat, bis er diese Stufe erreichte. Ein kleiner Auszug aus Evans-Wentz‘ Buch:

„… Auch die verschiedenen Begriffe, da sie illusorisch sind und keiner von ihnen wirklich ist, verklingen deshalb.

So entsteht beispielsweise alles, was über Ganzheit, über Sangsara und Nirvana postuliert wird, aus nichts anderem als mentalen Begriffen.

Änderungen im Gedankenstrom (oder in der Assoziation von Ideen) schaffen entsprechende Veränderungen in der Auffassung von der äußeren Welt.

Deshalb entstehen die verschiedenen Ansichten über die Dinge allein auf Grund unterschiedlicher mentaler Vorstellungen …

Überhaupt sind alle Dinge, die mental erfasst werden, Vorstellungen.

Das Glück der Götter in den Himmelswelten und das der Menschen ist eine Vorstellung …

Die absolute Verwirklichung, in der man im Nirvana verschwindet, ist auch eine mentale Vorstellung im Geist.

Unglück, verursacht durch Dämonen und böse Geister, ist genauso eine Vorstellung im Geist.

Götter und glückliches Schicksal sind ebenso Vorstellungen im Geist.

Oder wie in den uralten Schriften aus Kaschmir gesagt wird:

„Da in Wahrheit Bindung und Befreiung relativ sind,
gelten diese Worte nur für jene, die sich vor dem Universum fürchten.
Dieses Universum ist eine Spiegelung des Geistes:
genauso, wie du in der Wasseroberfläche viele Sonnen der einen Sonne siehst,
siehe auch Bindung und Befreiung.
(Vigyana Bhairava Tantra)

Ein gutes Stück Wegs folgen die tantrischen Meditationen einander. Das gilt für die ursprünglichen tantrischen Meditationen, die es in Indien gab und gibt, und für die entsprechenden Meditationen, die im Buddhismus als solchem und in den Tibetanischen und Japanischen Buddhismus aufgenommen wurden. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied – eine Wahl, vielleicht, für denjenigen, der außen steht und hineinschaut. Der Unterschied liegt im Ziel an sich und damit in der Einsicht, die die grundlegenden Vorstellungen vermitteln. Gemeinsam ist jedoch, dass von Aufmerksamkeit die Rede ist, von der Fähigkeit zu erleben. In „Mahamudra” von Takpo Tashi Namagyal von 1986, kann man lesen:

„Saraha erklärt:
… Wer auch immer über die Beschaffenheit von Nirvana kontempliert, wird, ohne spontane Aufmerksamkeit, das Höchste nicht erkennen.

 

Tilopa stützt dieses:
Selbst wenn man die tantrische Mystik auslegt, Die Transzendente Weisheit, Den Heiligen Kanon, und Die Essentiellen Worte, oder den verschiedenen klassischen Werken und Den Lehren von den Grundlegenden Doktrinen folgt so ist es nicht sicher, dass man Mahamudra als klares Bewusstsein verwirklichen können wird.

Februar 1969, aus der Zeit als ich den Unterricht und das Training empfing, welches den Grund für die Erfahrung legte, auf die der Artikel baut.

 Wer ist also derjenige, der erlebt?

Wer besitzt die Aufmerksamkeit?

Als ich Kind war, erlebte ich mich selbst als Kind, als ich Teenager war, erlebte ich mich selbst als Teenager, und auf diese Weise habe ich mich das Leben hindurch selbst in den verschiedenen Lebensstufen erlebt. Wer bin ich?

Der Körper hat sich ständig verändert. Jedes Mal, wenn ich meinen Pass oder Führerschein erneuern wollte, bedurfte es neuer Bilder, die alten Fotos waren mir nicht länger ähnlich.

Und die Persönlichkeit, ja, sie hat ihre Phasen durchlebt, Ideen sind von Einsicht abgelöst worden, Hoffnung von Zufriedenheit, die wiederum von Enttäuschungen und Frustrationen, Hoffnung und Zufriedenheit abgelöst wurden.

Es ist, als ob das Leben ein großes Rad ist, und wir außen auf der Felge gleiten.

Die Felge ist unterteilt in Lebensabschnitte, in denen alles einfach geht und zurechtgelegt ist, gemischt mit Perioden, in denen wir Widerstand und Mühsal begegnen. Es kann schmerzen, wenn wir gewohnte Bewertungen aufgeben müssen, weil Erfahrung und Reife uns sagen, dass sie nicht länger halten – und wir werden zwischen Handlung und Nachdenken umher geworfen.

Aber hinter der Persönlichkeit? Gibt es nicht etwas, das abgelagert wird? Etwas Individuelles? Ein Wissen, das aufgebaut wird? Ein Wissen, das nicht nur intellektueller Natur ist, ein Reifen, das einen trotz allem in die Richtung bringt, von der man einmal verspürt hat, dass das Leben sie vielleicht nehmen würde? Ein größeres Wohlwollen vielleicht, eine größere Toleranz? Und ein größerer Mut für das einzustehen, was von Wert ist und was verteidigt werden muss, einen Mut alle leeren Nachahmungen und automatischen Handlungsweisen zu durchbrechen?

Ist das Leben nicht ein ständiges Kreisen dichter hin zur Nabe des Rades, wo wirklicher Überblick existiert – zum Loch in der Nabe?

Und etwas, das ich auch von der Tradition mitbekommen habe: eine Fähigkeit zu suchen, die weiter reicht als Denken und Verstehen, eine Fähigkeit zu erleben. Was erleben? Nein, nicht den Sinn des Lebens. Den gibt das Leben uns, wie Piet Hein sagt, bis hin zu dem Tag, an dem wir nach ihm fragen. Aber etwas anderes, ein Suchen nach dem ‚Ort’, der eigentlich kein Ort ist, sondern überall ist, wie Wasser im Meer und Luft im Raum, in dem wir leben, ein Zustand, eine Haltung, ein Symbol.

„Zartherzige, meditiere über das Wissen und das Nicht-Wissen,
über Existieren und Nicht-Existieren.
Dann lasse beides hinter dir, damit du sein kannst.
(Vigyana Bhairava Tantra)

Anfangs kommt ein gelegentliches Erlebnis von dem, was nach und nach ein vertrauter Ort wird, ein Zustand. Ein Ort, zum Zurückkehren, wieder und wieder, um zu sein, um zu ruhen und die grundlegende Harmonie in Körper und Geist wiederherzustellen.

Von wo aus ich ins Leben schaue:

Das Leben verändert sich unablässig, aber hier verändert sich nichts – hier ist Stille, hier wird erlebt, hier IST – Stille auf deren Hintergrund sich das Leben entfaltet.

Dieses Bewusstsein ist der Geist,
der einen jeden leitet.
Sei dieser.
(Vigyana Bhairava Tantra)

In all den kleinen und großen Philosophien der Welt, Religionen, im Schamanismus usw. wird das Innerste des Menschen als etwas erlebt, eine Identität, eine Existenz, ein Wesen, eine Seele, ein Selbst, während im Buddhismus (auf jeden Fall im Theravada-Zweig) das letztliche Ziel das Nichts ist .

„Die westliche Vorstellung, dass der menschliche Geist leichter ein Ding als ein Nicht-Ding auffassen kann, ist offensichtlich falsch, das muss ich aus meiner Erfahrung als Professor in Siam [Thailand] hervorheben.

So drückt sich der Österreicher Swami Agehananda Bharati (der den größten Teil seines Lebens in Indien lebte und es in den USA beendete) in seiner Autobiographie The Ochre Robe aus, und er fährt fort:

„Wenn der Hindu den Ausdruck ‚Nicht-Selbst’ hört, denkt er augenblicklich an das Absolute, mit dem das Selbst identifiziert wird.

So ist es nicht für den Siamesen [Thailänder] – er hat nämlich nie von einem Absoluten gehört. Für ihn bedeutet Anatmavada ganz einfach ‚die Lehre vom Nicht-Selbst’, und Atma (das Selbst) weist ausschließlich auf sein Ego hin, seine eigene Individualität, die der Buddhismus als Einbildung verweist …

So klingt C.G. Jungs Vorwort zu Evans-Wentz Das Tibetanische Buch von der großen Befreiung, etwas naiv idealistisch, wie von außen ängstlich auf die Dinge schauend, und nicht selbst wagend zu erfahren, worum es geht. Dennoch befindet sich Jung in Übereinstimmung mit dem Buddhismus, wenn er sagt:

„… wenn man nicht auch eingestellt darauf ist, sich von der Welt abzuwenden, um für immer im Unbewussten zu verschwinden, so hat bloßer Unterricht keine Wirkung, oder zumindest nicht die gewünschte …“

Er vergisst jedoch, so will ich behaupten, die systematische wissenschaftliche Methode, die in der Meditation liegt, bei der eine nützliche Wirkung allmählich kommt, egal was du sonst denkst, bist du nur in der Lage, der Methode zu folgen. Nach Jungs Tod sind solche Wirkungen in medizinischen Labors überall auf der Welt gemessen und bestätigt worden. Was er offenbar auch nicht gewusst hat, ist, dass, wenn man nach und nach eigene Erfahrungen macht, neues Licht auf die Dinge fällt und so das Ganze völlig anders aussieht als die Erwartungen und die Philosophie, die man hatte, bevor man begann.

Dennoch ist hier die Rede von einer grundlegenden Wahl, als Buddha meinte, dass die eigentliche Idee von einem Selbst (oder einer Seele) ein Hindernis für die totale Befreiung sei:

Eine Wahl zwischen

Nichts, vollständiger Leere
kein Selbst, kein Ich…

oder

etwas
(Raja Yoga u.a.)
Konzentration
Fokussieren
die Seele

und/oder

(Tantra)
Hingabe
Erleben
Sein
und alles was du sowieso bist.

Informelle Gespräche am Feuer, am Tage bevor ich (zur linken) meine Einweihung zum Swami durch Paramahansa Satyananda (zur rechten) empfing.

 Ein sogenannter Sadhu kam eines Tages zum Ashram und bat um Obdach. Da er nun in einen Ashram gekommen war, wollte er auch meditieren. Ich war neugierig, und als er weiter gereist war, fragte ich Swamiji, was er für einer gewesen sei.

„Ja,” sagte Swami Satyananda, „er saß eine Weile im Meditationssaal. Und dann kam er begeistert heraus und sagte ,Swamiji, ich bin im Samadhi gewesen! Ich sah nichts. Ich hörte nichts. Ich war vollkommen weg!

Nach diesem Bericht schaute ich Swamiji verwundert an, und er kam mit folgendem Kommentar : „Was der Mann erlebt hat, ist ein Zustand völligen Unbewusstseins, ja, er hat vermutlich geschlafen. Für mich ist Samadhi nicht Unbewusstsein, sondern totales Bewusstsein, inneres wie äußeres.

Wie Yoga und damit Meditation definiert wird

Ich möchte nicht die abgedroschene Definition von Yoga benutzen, die davon spricht, eins mit seinem höheren Selbst zu werden oder das höhere und das niedere Selbst zu vereinen. ,Höher und ,nieder ist Unsinn, es gibt nur eines. Eine solche Definition basiert auf falschen Idealen und kann den Menschen genauso gut von sich selbst entfernen, wie sie ihn inspirieren kann – hier verbirgt sich eine versteckte Forderung danach, heilig sein zu müssen, etwas, das Schuldgefühle erzeugen und zu Heuchelei führen kann oder Bewerterei schafft, wo man sich selbst mit anderen vergleicht. Wer ist höher? Wer ist niedriger? Wo stehe ich? Nein Danke!

Es gibt eine Definition von Yoga, die, wie ich hoffe, nicht in dieser Richtung ausgelegt werden kann. Und die beinhaltet, dass es etwas ist, was der einzelne Mensch tun kann, mit ein wenig Hilfe von der Tradition und einem guten Lehrer, aber ohne auf spiritueller oder anderer Ebene konkurrieren zu müssen.

„Die Reinheit in den Lehren anderer ist für uns wie Unreinheit.
In Wirklichkeit betrachte nichts als rein oder unrein.
(Vigyana Bhairava Tantra)

Es handelt von dem, was wir von vorne herein sind, im Innersten, oder überall: Die Stille ist unser Bewusstsein, derjenige, der hinter allem erlebt. Man ist Stille, und alles andere, Geräusche, Sinneseindrücke, was man spürt, Gerüche, die Natur, die Stadt, alle materiellen und alle inneren Dinge, Gefühle, Gedanken, innere Bilder, Träume, sie sind alles Erlebnisse, die sich verändern und vergessen werden.

Dieses Bewusstsein existiert wie jegliches Wesen,
und sonst existiert nichts.
(Vigyana Bhairavi Tantra)

Und in den Worten Swami Satyanandas:

„Meditation ist daher ein Prozess, durch welchen du dein eigenes Bewusstsein siehst – Bewusstsein sieht sich selbst durch sich selbst, ohne mit irgendwelchen Mitteln, Unterstützungen oder Handlungen einzugreifen. In der Meditation durchläufst du keinen Prozess von Selbstanalyse sondern von Selbstwahrnehmung. Hierin reicht Meditation weiter als die Psychoanalyse der modernen Psychologie. Du analysierst dich nicht selbst; du siehst dich selbst.

 

Die Erlebnisse und das Bewusstsein

Die Definition von Yoga kann durch ein Symbol ausgedrückt werden.

Es ist ein archetypisches Symbol, das bestimmte Bewegungen, Religionen und Länder zwar für sich, als deren Symbol, gewählt haben (z.B. Israel), aber es ist nicht durch eine Bewegung oder Nation begrenzt. Zwei Dreiecke, ein nach oben zeigendes und ein nach unten zeigendes, formen dieses Symbol, den sechseckigen Stern.

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Man findet ihn in allen Kulturen. In der Kleidung der Prärieindianer, oftmals mitten auf der Brust angebracht.

In Tantra findet man ihn in verschiedenen Symbolen oder Yantra – u.a. im Yantra von Anahata Chakra, dem psychischen Zentrum, das sich in der Höhe des Herzens befindet. Es ist zu Beginn dieses Artikels abgebildet.

Dieses Symbol, drückt Harmonie zwischen dem Erlebenden und dem Erlebten aus. Und wenn diese Harmonie entsteht, entsteht Vereinigung zwischen diesen beiden – Einheit in allem.

 

Energie und Bewusstsein

Man kann auch von Stille, von demjenigen, der erlebt, und den Erlebnissen auf andere Weise sprechen.

Man kann von Energie sprechen. Alles besteht aus Energie, die Atome in den Wänden und mein Körper sind Energie, was aus meinem Mund kommt, wenn ich spreche, ist Energie, Gedanken sind Energie, Gefühle, alles. Es ist etwas, das ich erlebe, Energie.

Die beiden Dreiecke bilden eine harmonische Form von Gleichgewicht. Das Dreieck, das nach unten zeigt, steht für die Energie. Das Dreieck, das nach oben zeigt, steht für das Bewusstsein. Wenn die Dreiecke, in diesem Zusammenhang, auf irgendeine andere Weise zusammengestellt werden, so ist das Gleichgewicht nicht vorhanden, so ist die Rede von zu viel oder zu wenig, von Gefühllosigkeit, Unwissenheit, Selbstvergessen, von Mangel an Kontakt mit dem Wesentlichen, von einer falschen Identität…

Natürlich habe ich erlebt, wenn die Harmonie nicht da ist, dass ich versuche, meine Gedanken und Gefühle zu unterdrücken und zu kontrollieren, dass ich mich mit ihnen identifiziere oder überwältigt werde, so dass ich mich selbst vergesse. Aber hier ist nicht von Kontrolle oder Nicht-Kontrolle die Rede. Es geht nicht darum, sich aufzulehnen oder sich unterwerfen zu lassen, sondern darum, gegenwärtig zu sein, mitten in dem, was geschieht, innerlich wie äußerlich. Das ist eine tantrische Definition von Yoga.

„Wenn du völlig gegenwärtig bist durch einen deiner Sinne, verbleibe in diesem Gegenwärtigsein. (Vigyana Bhairavi Tantra)

Dies wird durch die Meditation Innere Stille trainiert, denn dies ist in Wirklichkeit nicht etwas, das man denkt, oder worüber man philosophiert, es ist etwas, das man tut, und das lernt man mit Hilfe der Technik. Innere Stille ist eine notwendige Voraussetzung für alle anderen, weitergehenden Methoden von Yoga und Meditation, u.a. die fortgeschritteneren Formen von Kriya Yoga.

Es war eine Zeit, zu der Swamiji selbst alles unterrichtete. Was mich ansprach, war eine Lebensanschauung, die in vielem mit meiner übereinstimmte. Er war nüchtern, ja beinah atheistisch wissenschaftlich.

 Idealismus und Bewusstsein

„Der Spiegel ist uns Menschen von Gott gegeben,
der Teufel aber hat ihm den einen Fehler gegeben:
dass er niemals zeigen kann, wie man aussieht,
wenn man nicht in einen Spiegel schaut.

(Kurzgedicht von Piet Hein)

Wenn meine Schüler diese Meditation lernen, bitte ich sie, keine Idealisten zu sein. Versuche nicht, anders zu sein als du bist, wenn du dich hinsetzt, um zu meditieren. Du brauchst nicht heilig, gut oder ,positiv zu spielen. Beginne die Meditation so wie du bist. Es spielt keine Rolle für die Meditation, ob du dich glücklich fühlst, unglücklich, müde oder voller Energie. Oder ob du rastlos bist, aufgerieben oder träge. Setze dich hin und beginne die Meditation, da wo du bist, so, wie es dir geht.

Wenn du aus der Meditation Nutzen ziehen willst, so lass es bleiben, alle möglichen Vorstellungen und Bilder zwischen dir und dem, was von selbst in der Meditation auftaucht, zu stellen. Du brauchst weder positive noch negative Vorstellungen über dich selbst zu haben. Du bist die Innere Stille, die Stille, auf deren Hintergrund du erlebst, was in deinem Geist geschieht. Erlebe es, ohne es beeinflussen zu wollen, so dass es spontan geschehen kann, ohne durch deine Ideale oder Vorstellungen gehemmt oder geändert zu werden. Nur dadurch kannst du es kennenlernen, wie es ist. Lass die Erlebnisse von selbst kommen, ohne dich im geringsten einzumischen. Bleibe derjenige, der erlebt.

„Wo immer Dein Geist wandert,
innen oder außen,
an eben diesem Ort, sei.

(Vigyana Bhairavi Tantra)

Es war konkreter Unterricht in Yoga und Meditation und ein Training in Aufmerksamkeit – eine spirituelle Haltung, ohne irgendeine Form von Anbetung oder Manipulation der religiösen Gefühlen der Leute.

 Zusammenfassung

Antar Mauna ist eine Meditation, die in der Ganzheit beginnt, in der du dich befindest, in der Welt, die du durch deine Sinne erlebst, an der Stelle und in der Umgebung, wo du im Augenblick meditierst. Du trainierst dein Vermögen zu erleben. Von den Sinnen bewegst du dich schrittweise und unausweichlich durch die Zustände, Gewohnheiten, Gedanken und Gefühle, die deine Persönlichkeit normalerweise beinhaltet. Du lernst die Persönlichkeit zu erleben, ohne sofort kritisch oder analysierend zu sein, ohne sie hemmen oder verändern zu müssen. Du lernst sie kennen. Dann gehst du tiefer, durch verschiedene Dimensionen in deinem inneren Universum, hin zum Innersten in deinem Wesen, von wo aus du alles erlebst.

„Gut oder schlecht, ich bin der Seher; Störung oder Gesammeltsein, ich bin der Seher. Wenn ich die Stellung des Körpers verändere, bin ich der Seher. Ich bin nicht derjenige, der sich konzentriert; ich bin nicht derjenige, der meditiert. Nein, ich bin nur der Seher all dessen, was in mir geschieht. Ich bin unparteiisch, objektiv und klammere mich an nichts.

Antar Mauna muss praktisch und methodisch sein. Es sollte Schritt für Schritt gemacht werden. Zuerst verhalten wir uns wie Zeugen zu den Sinneserlebnissen, die von außen kommen, dann verhalten wir uns wie Zeugen zu den spontanen Gedankenprozessen, die aus der Tiefe unserer Persönlichkeiten auftauchen. Schließlich kommen wir zu einer Stufe, wo wir Zeuge eines Zustandes ohne Gedanken werden.

(Swami Satyananda)

Dies ist eine Meditation, die am besten direkt von Lehrer zu Schüler weitergegeben wird, so dass der Geist keine Ausflüchte findet, so dass man ständig zurück zu sich selbst geleitet wird, zu dem, der hinter dem Ganzen erlebt. Sie beruht auf Gesetzen oder Tendenzen im Geist, die allen Menschen gemeinsam sind.

Deshalb ist es vielleicht nicht so merkwürdig, dass wir auch in Europa zu verschiedenen Zeiten Hinweise und Instruktionen finden, die auf eine ähnliche Einsicht deuten, wie die, auf die Innere Stille baut.

Das Wissen oder die Einsicht, die aus der Meditation wachsen, prägen auch den Alltag. Sie repräsentieren den Kern von Tantra, die tantrische Haltung. Du akzeptierst wie du bist, wie du lebst. Du brauchst nicht jemand anders zu sein, um dich selbst verwirklichen zu können – um zu leben. Du brauchst dich nicht zu ändern, du bist bereits – du selbst.

„Du bist der eine Beobachter, und als solcher warst du in der Tat immer frei. Deine einzige Bindung war, dass du jemanden anderes für den Beobachter hieltest. (Ashtavakra Gita)

Erste einleitende Übung

Es folgt ein Beispiel, wie ein Teil des ersten Schrittes der Meditation mündlich von einem Lehrer, während des Lernens in einer Gruppe, geleitet wird.

Sitze mit geradem Rücken (das kann auf einem Stuhl, oder in einer Meditationsstellung sein), und schließe die Augen.

Sitze einen Augenblick ohne Eile etwas anderes tun zu müssen, als nur zu sitzen.

Fordere nichts von Dir. Erwarte nichts von der Meditation.

Versuche nicht, etwas anderes zu tun, als das, was sowieso hier zu Anfang geschieht.

Aber wenn du den Körper zurecht gesetzt hast, dann sitze ganz still, in einer Stellung, in der dies möglich ist,

ganz still,

bleibe eine Weile dabei …

Richte nun den Geist nach außen auf die Umgebung – und höre auf die Geräusche um dich herum.

Gewöhnlich, wenn man hört, hört man auf etwas oder man versucht bestimmte Dinge nicht zu hören – aber das tust du jetzt nicht – du hörst alle Geräusche in der Umgebung gleichzeitig, so wie sie zu deinen Ohren kommen.

Ein allumfassendes Bewusstsein von Geräuschen.
Als eine Ganzheit.

Das Bewusstsein ist wie ein Licht, dass gleichmäßig in alle Richtungen strahlt. Es erfasst alles mit demselben Interesse.

Nichts wird hervorgehoben, nichts wird weggeschoben.

Höre das Auto auf der Straße z.B., gleichzeitig mit dem Ticken der Uhr, gleichzeitig mit dem Fernseher in der Wohnung über Dir – Erfasse alles in der Umgebung als eine Ganzheit, alle Geräusche, mit einem Mal.

Mache dies 5 bis 10 Minuten lang, wenn du irgendwo sitzt, wo du ungestört Zeit dazu hast.

Wenn du dies eine Weile praktiziert hast, probiere es auch für ganz kurze Zeit, für ein oder zwei Minuten, im Zug, im Bus, in einer Warteschlange, auf einer Parkbank oder einem Platz. In der Stadt oder draußen am Meer, im Wald oder auf dem Lande – wo auch immer.

Werde eins mit den Geräuschen der Umgebung …

 

 

 

 Om Tat Sat


Fotografien und Bilder: Meditierende in Haa, 2016, von Turiya, Stockholm; Swami Satyananda und Swami Janakananda 1969, von Knud Hvidberg, Kopenhagen; MeditationsYantra: Aus Das große Yantra-Buch von Madhu Khanna; Sri Yantra in „Energy Flow in Television“, von Ronald Nameth.