„Man will ja am liebsten, dass die Menschen das Beste bekommen“

(Zitat: Swami Satyananda)


Innerhalb des Yoga hat derjenige, der unterrichtet und derjenige, der sich ausbilden lassen möchte, dieselbe Verantwortung wie jeder andere, der mit Menschen arbeitet und ihnen helfen möchte. Wenn ein werdender Arzt in eine „Bananenrepublik“ fährt (wo es auch immer sein mag, entschuldige den Ausdruck!) um sich eine schnelle Ausbildung zu kaufen, dann ist es natürlich verwerflich und verantwortungslos sowohl dem „Arzt“ als auch den Menschen gegenüber, mit denen er als Heiler und Ratgeber in Kontakt kommen wird.

Der Schüler, der Lehrer werden will, muss selber die Verantwortung tragen, wenn er oder sie einen Lehrer (wie gut dessen Qualifikationen auch immer sein mag) wählt, der die Tradition verwässert und die Ausbildung „einfach“ und kurz macht. Die Tradition wird nur verbessert, wenn man die ganze Zeit den Kern und das, was man von seinem Lehrer gelernt hat, sucht. So habe ich es auf jeden Fall erlebt, sowohl im Verhältnis zu meinem Lehrer, als auch im Verhältnis zu der Tradition, in der ich unterrichte.

Sitzt man erst da als Yogalehrer mit einer unzureichenden Ausbildung, und es ist egal wie eingebildet man ist oder mit wem man zusammenarbeitet, dann wird man früher oder später ins Leere laufen. Statt in einen befreienden Prozess mit seinen Schülern eintreten zu können – wird das Ganze langweilig, weil man den Prozess nicht kennt und die Einsicht, die man im alltäglichen Training bekommt, nicht erworben hat. Man hat weder den Mut noch die Fähigkeit über das hinauszugehen, was man selbst gelernt hat oder was die eigene Einsicht erlaubt. Man glaubt, dass man seine Schüler „unterhalten“ soll, oder man drischt leeres Stroh, weil man nichts mehr anzubieten hat – die Transformation kennt man nicht.

Es hilft auch nicht, andere oberflächliche Ideen oder Methoden in seinen Unterricht hineinmischen, um der Angst und der Leere zu entgehen, oder viel Geld, mit dem, was man tut, zu verdienen. Das macht es nicht wertvoller. Man täuscht sowohl sich selbst, als auch andere. Yoga ist „any age“, nicht z. B. New Age, obwohl einige, die eine oberflächliche Form von Yoga unterrichten, diesen Eindruck erwecken.

Das Wichtigste bei einer ordentlichen Yogalehrerausbildung ist sicherlich nicht, was man an Theorie lernt oder die Menge von Methoden, die sie enthält, sondern dass man auch ein tägliches Training bekommt, bei dem man die Dinge auf eine praktische Weise lernt, so dass man die Fähigkeit erreicht, Probleme zu erkennen, aber auch die entsprechenden Lösungen dazu zu sehen. Man muss auch Erfahrung haben, um mit den Schülern umgehen zu können. Die Ausbildung muss ein umfassendes und von einem erfahrenen Lehrer beaufsichtigtes Unterrichtspraktikum enthalten. Außerdem muss der eigene Sadhana und die Erfahrung, die man dadurch bekommt, tiefgreifend sein.

Das tägliche Leben zusammen mit dem Lehrer, der die Ausbildung leitet, soll die grundlegende Angst aus demjenigen, der anderen Menschen helfen soll, heraustreiben. Es ist außerdem erforderlich, dass der Lehrer die besondere Fähigkeit hat, die Schüler zu einer Einsicht zu leiten, die über das hinausgeht, was man in den Büchern lesen und in einigen Kursen lernen kann. Die werdenden Yogalehrer, wenn sie mit ihrer Ausbildung fertig sind, werden dann mit Zuversicht andere unterrichten und anleiten können – und sie werden auch damit fortfahren können, wenn der Reiz des Neuen vorbei ist.

Ich erlaube mir, daran zu zweifeln, dass die dürftigen Ausbildungen, die heute von gewissen Stellen hauptsächlich in Form einer Reihe von Wochenendkursen angeboten werden (wobei man behauptet, dass die Ausbildung bis zu 3 oder 4 Jahren dauert), einen soliden Hintergrund geben. Man trifft sich ja nur ein paar Stunden dann und wann, und wenn man die Anzahl der Unterrichtsstunden zusammenzählt, dann geht es in Wirklichkeit um Ausbildungen, die insgesamt weniger als einen Monat (u.a. bei einem Institut in Stockholm) bis hin zu maximal 3 Monaten (u.a. bei einer Ausbildung in Dänemark) dauern; ganz zu schweigen von einer Firma in England, die eine Yogalehrerausbildung als Fernunterricht anbietet, wo man seinen Lehrer nie sieht!

Eine mehrjährige Vollzeitausbildung sollte eine absolute Forderung sein.

Warum ist es so wichtig, Yogalehrer zu werden, wenn man es sowieso nicht wird, wenn man kein Training in der Praxis und nur unzureichende Theorie bekommt? – Und dann habe ich noch gar nicht den Mangel an Einweihung in veränderte Bewusstseinszustände genannt! Man muss doch wissen, dass man auf lange Sicht mit seiner Begrenzung nur dazu beiträgt, etwas Wertvolles zu zerstören.

Die Verantwortung liegt bei dir selbst. Dass andere kriminelle Handlungen begehen, berechtigt dich nicht dazu!

Siehe auch den ausführlichen Artikel über die Yogalehrerausbildung an der Skandinavischen Yoga und Meditationsschule.