Namo Narayan – Swamiji

Nach 5 Jahren Feuermeditation bricht Swami Satyananda die Isolation und lädt zum Satsang ein


Namo Narayan ist ein Mantra, womit Yogis, Swamis und andere die Schüler eines anderen Gurus begrüßen. Das Mantra sagt: ich grüße Gott in Dir. Dieser Brauch drückt eine Toleranz aus, die einmalig für Indien ist – und ungeheuer wichtig für das Bestehen einer besonderen spirituellen Tradition.

Das, was für den einzelnen hinter dem Gruß liegt. stellt sicher. dass nicht alles in Oberflächlichkeit endet. Dass man nicht, aus Angst etwas zu verpassen, von einem Lehrer zum anderen rennt, ohne jemals dem ganzen Selbst gegenüber zu stehen. Hier ist es tatsächlich erlaubt, sich ganz einer Lehre und einem Lehrer hinzugeben, wenn man es mit der Selbstverwirklichung ernst meint.

Auch für die Gesellschaft ist der Gebrauch von Namo Narayan wichtig, man vermeidet sektiererische und allwissende „Fanclubs‟ um die Gurus. In Indien entstehen selten Sekten in dem negativen Sinne, wie man es im Westen kennt.

Der Begriff Namo Narayan ist fundamental in dem Teil indischer Kultur, wo Yoga lebendig erhalten ist. Das Mantra drückt aus: egal woher Du kommst, ich respektiere den Weg, den Du gewählt hast. Ich grüße Dich! Du bist mein Gast, so wie Gott es ist. Wir können ebenbürtig Erfahrungen austauschen.

Wenn dann ein bekannter Guru, der auch im Westen Substanz in seiner Lehre hat, und der im Laufe der Jahre viele Menschen zu Besuch gehabt hat, einige nur um zu schnuppern, andere um berührt zu werden und ein Training zu empfangen und wieder andere um Hilfe zu bekommen, um ein Leben in Konzentration und Meditation zu führen oder um gerade die Aufgabe, zu der derjenige berufen ist, durchführen zu können – wenn ein solcher Guru eines Tages plötzlich seinen Gruß von Hari Om auf Namo Narayan ändert, was ist dann geschehen?

Laß mich dies auf eine persönliche Weise erzählen: Im Sommer 1988 war ich in den USA, um an der englischen Ausgabe von, Yoga Tantra und Meditation im Alltag. zu arbeiten. Ich lebte auf Long Island, wo ich eines Spätnachmittags mit Freunden herausfuhr, um in den Wellen des Atlantiks zu baden. Die Wellen waren aber kräftiger als ich erwartet hatte, und ich wurde viele Male umgeworfen. Zunächst war ich nur irritiert darüber, dass meine Badehose herunterglitt, mein Haar aufgewirbelt wurde und ich die Orientierung verlor. Dann aber ging es mir auf, dass es ernst war. Erst als die Wellen mich unzählige Male umgeworfen hatten, gelang es mir, mich an Land zu kämpfen. In meinem ganzen Erwachsenendasein bin ich niemals so atemlos gewesen. Gleichzeitig fühlte ich ein unglaubliches Wohlbefinden, mich aus den Wellen freigekämpft zu haben.

Das Erlebnis gab mir Perspektive über mein Leben. Ich sah die beinah 20 Jahre, die ich Yoga unterrichtet hatte und spürte starke Inspiration weitere 20 Jahre fortzusetzen.

Zuhause in Schweden hatte ich dann eines Tages in meiner Meditation eine Vision – nein, ein totales Erlebnis: Ich befinde mich in einer Landschaft, die den Vorgebirgen des Himalaja bei Rishikesh gleicht. Ich habe ein Gefühl, gerade alles verlassen zu haben: Schüler,Verwaltung etc. Ich fühle mich unendlich erleichtert. Ich kann gehen wohin ich will oder mich ganz meinem Sadhana widmen.

Ich wunderte mich, dass dieses wunderbare Erlebnis von Freiheit gerade jetzt kam, wo ich so inspiriert war fortzusetzen!?

Einen Monat später berichtete mir Swami Pragyamurti aus London, dass Swamiji den Ashram und die Rolle als Guru verlassen hatte, dass er sich zum Zeitpunkt meiner Vision genau bei Rishikesh aufgehalten hatte…

Im November 1993 war ich auf einem Kongress in Monghyr eingeladen und besuchte daher meinen Lehrer Swami Satyananda, der sich in Rikhia in der Nähe von Deogarh  in Bihar niedergelassen hat.

Als ich ihm von meiner Vision in den Vorgebirgen der Himalaya bei Rishikesh gewesen zu sein berichtete, sagte er nur:  Ja, ich dachte, Du solltest es wissen“.

Die fünf Feuer

big-flameNachdem er einige Jahre herumgereist war, um geistige Kraftzentren in Indien zu besuchen, hat Swamiji auf eigenem Wunsch, relativ isoliert, in seinem neuen Ashram Alakh Bara gelebt. Während fünf Jahren hat er sich einer einzigartigen Meditation zwischen fünf Feuern gewidmet. Jeden Tag, vom 15. Januar bis zum 15. Juli, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; vier große Feuer in nächster Nähe, als fünftes die Sonne. Im ersten Jahr hat er für ein halbes Jahr in der Sonne gesessen. Im zweiten Jahr saß er unter der starken indischen Sonne neben einem Feuer. Im dritten Jahr saß er in der Sonne neben zwei Feuer. Im vierten Jahr saß er in der Sonne nah an drei Feuern und im fünften Jahr saß er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zwischen vier Feuern in nächster Nähe, als fünftes die Sonne, Panch Agni.

Diese Feuermeditation hat einen tiefgreifenden Effekt auf den Yogi, welcher diese Art von Reinigung erlebt. Die psychische Atmosphäre um Swamiji war sogar stärker und erhebender. Ich fühlte es speziell in meiner Meditation, in diesem fünften und letzten Jahr als ich bei ihm war, nachdem seine Feuermeditation vorbei war.

Man sagt, dass niemand seit Shankaracharya diese Meditation ausgeführt habe. Es erfordert Jahre an intensive und tiefe Sadhana um in der Lage zu sein so eine Praxis durchzuführen und Nutzen daraus zu ziehen. 

Die Toleranz, welche diese Begrüßung mit dem Mantra Namo Narayan ausdrückt, ist immer ein Teil der tantrischen Tradition gewesen. In Vigyana Bhairava Tantra, ein Text, der mindestens 5000 Jahren alt ist, in einer der Sutras unter den 112 Instruktionen steht:

Die Reinheit von anderen Lehren ist wie Unreinheit für uns. In Wirklichkeit wisse nichts von rein oder unrein.