Nasenspülung


„Als Kind hatte ich häufig bronchitische Beschwerden durch Asthma und seit dieser Zeit habe ich kaum richtig durch die Nase atmen können. An dem Tag an dem ich die Nasenspülung lernte, habe ich zum ersten Mal wieder wirklich frei durch die Nase atmen können.“ (40 jährige Kursteilnehmerin aus Oslo)

Warum die Nase spülen?

Die Nase mit Hilfe von lauwarmem Salzwasser zu spülen ist eine Yogamethode deren Nutzen von immer mehr Leuten entdeckt wird. Mit diesem Artikel wollen wir etwas über ihre Herkunft, die Anwendungsmöglichkeiten und anderes Wissenswertes über sie berichten. Die Nasenspülung, auch Neti genannt, ist kinderleicht zu machen, jeder kann es lernen. Die wenigen Anweisungen hierzu sollten allerdings genau eingehalten werden (siehe unten).

Neti wirkt erfrischend, und die Nase wird angenehm frei. Der gesamte Nasenbereich wird von innen entspannt und gereinigt: Schleim, Staub, Schmutzpartikel, selbst Pollen u.ä. allergiehervorbringende Substanzen werden sanft heraus gespült. Diese einfache Methode kann bei verschiedenen Beschwerden oder Krankheiten helfen z.B. Erkältungen, trockenen Schleimhäuten, Allergien und Asthma.

 In verschiedenen Kulturen…

In der Yogatradition finden wir Neti als eine der sogenannten Hatha Yoga Methoden, die man kennt, um den Körper zu reinigen; ähnliche Methoden gibt es auch für die Augen, den Magen und die Därme. Es gibt verschiedene Varianten von Neti, aber die sanfteste und bequemste Form ist wohl die, bei der man mit Hilfe einer speziellen Kanne (s. Abb.) das Salzwasser durch die Nase gießt. Entsprechende Methoden, in mehr oder minder vollendeter Form, lassen sich übrigens in den verschiedensten Kulturen aufspüren.

In den nordischen Ländern ist die Nasenspülung bekannt als ein altbewährtes Hausmittel gegen Erkältungen oder Infektionen. So berichten z.B. auch alte Fischer aus Friesland, dass sie ihr Leben lang Erkältungskrankheiten vermeiden konnten indem sie täglich Salzwasser aus den Händen oder einer kleinen Schale durch die Nase aufsogen und wieder ausspuckten. Ähnliche Beispiele wie Menschen die heilende und desinfizierende Wirkung des Meerwassers nutzen, kann man u.a. in Frankreich oder Finnland und selbst in Übersee wie Jamaika finden.

Auf unseren Pensionärsgruppen in Kopenhagen können sich viele der älteren Teilnehmer noch daran erinnern, wie sie die Nasenspülung in ihrer Kindheit zu Hause bei Erkältungen benutzten. Um die Jahrhundertwende gab es Nasenspülungskannen aus Glas sogar noch in vielen skandinavischen Apotheken zu kaufen.

Folgende Geschichte stammt aus Südschweden: Auf einem Kasernenhof hatte man einen großen Behälter mit Salzwasser stehen, unten an diesem Behälter befand sich ein Hahn mit einem kleinen Gummischlauch. Merkten die Soldaten, dass eine Erkältung im Anzug war setzten sie die Nase an den Schlauch, öffneten das Wasser und ließen es hindurch laufen. Das war das effektivste Mittel, das man gegen Erkältung kannte.

… und heute

Über lange Zeit schien diese alte Methode jedoch durch die moderne Medizin in Vergessenheit zu geraten. Als Swami Janakananda, der Gründer unserer Schule, vor über 30 Jahren mit den ersten Netikannen aus Indien nach Skandinavien kam, war dies nahezu unbekannt und für viele noch ein exotisches Kuriosum. Aber heute ist die Nasenspülung eine vielgefragte und etablierte Methode geworden – viele schätzen sie als eine einfache Form der Körperhygiene und als billigere und vor allem gesündere Alternative zu Medikamenten wie Nasentropfen oder -sprays. Insbesondere in Schweden zeigen auch die Mediziner ein reges Interesse: „Wir empfehlen die Nasenspülung bei trockenen Schleimhäuten, für Personen mit Allergien und bei Arbeit in staubiger Umgebung“, sagt Chefarzt Dr. Claude Laurent von der Hals-Nasen-Ohren-Klinik in Falun, Schweden. Er und sein Kollege Dr. Matström vom Krankenhaus Huddinge in Stockholm sind zwei von vielen Ärzten die Neti ihren Patienten empfehlen.

An der Skandinavischen Yoga- und Meditationsschule unterrichten wir die Nasenspülung auf allen Yogakursen, und im Laufe der letzten 30 Jahre haben in Nordeuropa über 80.000 Menschen bei uns die Nasenspülung gelernt. Hin und wieder hört man zunächst die Frage: „Warum in aller Welt die Nase spülen?!“, aber wenn die Leute Neti erst einmal ausprobiert haben, sind sie überrascht wie einfach und angenehm es ist, und vor allem welche Wirkungen es hat. Sehr viele machen es dann regelmäßig zu Hause weiter und kommen dann wieder und berichten über ihre positiven Erfahrungen und wie die Nasenspülung ihnen geholfen hat.

Einige Fallbeispiele

Das Spektrum der Fallgeschichten ist weit: Es gibt diejenigen, die ganz einfach berichten, dass sie sich erfrischt, klarer im Kopf und wacher fühlen, nachdem sie die Nase gespült haben. Sie heben vor allem die entspannende Wirkung hervor, die selbst bei bestimmten Formen von Kopfschmerzen wie z. B, Migräne Abhilfe schaffen kann.

Und es gibt diejenigen denen die Nasenspülung bei körperlichen Beschwerden oder sogar schweren Krankheiten geholfen hat. Hierzu ein 19jähriger Student: „Ich litt über Jahre an chronischer Nasennebenhöhlenentzündung, mit Kopfschmerzen, Müdigkeit usw. Medikamente halfen nicht länger und ich sollte operiert werden. Nachdem ich die Nasenspülung zusammen mit einigen Atemübungen lernte, habe ich sie täglich benutzt. Die Operation wurde unnötig und jetzt habe ich keinerlei Beschwerden mehr“.

Stirn- und Nebenhöhlenentzündungen sind einige der Beschwerden zu denen wir die häufigsten Rückmeldungen bekamen. Um hier eine optimale Wirkung zu erzielen, ist es wichtig, die Nasenspülung im Zusammenhang mit bestimmten Atemübungen zu machen. Dazu bedarf es jedoch der kompetenten Anleitung eines Yogalehrers.

Auch bei Allergien haben viele positive Erfahrungen gemacht. Ihnen geht es besser, wenn sie während der Pollensaison die Nase spülen. Das Beispiel einer Frau aus Stockholm: Sie litt seit ihrer Kindheit an starker Pollenallergie jedes Frühjahr mit den gewöhnlichen Symptomen: Geschwollenene, tränende Augen und eine völlig verstopfte Nase. Heute hat sie, selbst mitten in der Pollensaison, keine Beschwerden mehr. Sie spült die Nase täglich, bei Bedarf sogar mehrmals.

Was sagt die Physiologie?

Was eigentlich genau bei dem Salzwasserbad geschieht beschreibt Professor Paul Stoksted aus Odense, Dänemark: „In den Nebenhöhlen und auf der Nasenschleimhaut befinden sich mikroskopisch kleine Flimmerhärchen, sogenannte Cilien, die alle in einer Richtung vibrieren; unter dem Mikroskop sieht dies aus wie ein Kornfeld über das der Wind bläst. Die Cilien sind mit einer Schleimschicht bedeckt und fangen Staub, Bakterien, Pollen und weiße Blutkörperchen. Durch ihre Bewegung wird die Schleimhaut zu einem Förderband das diesen Schleim und aufgefangene Partikel durch die Nase hoch zum Rachen und in den Magen hinunter transportiert.“

Es sind jedoch nicht nur die Schleimhäute in der Nase, die durch Neti angeregt werden. Dies passiert ebenfalls in den restlichen Atemwegen bis hinunter zur Lunge, was nicht zuletzt für Raucher ein Vorteil ist. In der Tat hat die Nasenspülung eine aktivierende Wirkung auf alle Schleimhäute im gesamten Körper, auch im Magen oder den Augen.

Professor Stoksted sagt weiterhin: „…die Bewegung der Flimmerhärchen kann durch Viren und durch allergiehervorbringende Stoffe gelähmt werden; auch durch Austrocknen kann die Schleimschicht verkrusten und ihre Funktion verlieren. Das Spülen mit Salzwasser hält die Schleimhaut jedoch feucht, die Flimmerhärchen werden stimuliert, Krusten, Staub u.a. eingetrocknete Stoffe sowie alle Allergene wie z.B. Pollen, werden entfernt“. Wenn man insbesondere Probleme mit trockenen Schleimhäuten hat, was ja häufig durch trockene Luft in Büroräumen u.ä vorkommt, kann man dem Wasser einige Tropfen Mandelöl (oder ein anderes pflanzliches Öl) beifügen.

Warum die Nasenspülung bei chronisch verstopften Nasenlöchern und auch Nebenhöhlenentzündungen hilft, erklärt Dr. Kenneth Uhre vom Sanatorium Tallmogården in Schweden: „Die Nasenhöhle steht durch kleine Öffnungen in Verbindung mit den Nebenhöhlen. Wenn diese Kanäle bei einer Erkältung durch geschwollene Schleimhäute verstopft werden, kann das zu Nebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) führen. Durch die Nasenspülung werden die Kanäle freigehalten.“ Dasselbe gilt für die Stirn- und Kieferhöhlen, die auf entsprechende Weise mit der Nasenhöhle verbunden sind. Die regelmäßige Anwendung von Neti kann auch bei Erkältungskrankheiten vorbeugend wirken, indem sie den PH-Wert der Nasenschleimhaut ins basische verändert. Denn nur, wenn die Schleimhäute zu sauer sind, d.h. der PH-Wert zu niedrig ist, können Virusorganismen überleben und sich in der Schleimhaut festsetzen. Ist der PH-Wert jedoch höher, stirbt der Virus – und nur dort wo der Virus sich einen Weg in die Schleimhaut gebahnt hat, kann sich eine Infektion entwickeln.

„Manche Leute können sogar sinusitisähnliche Beschwerden erleben, wenn diese Gänge durch andere Ursachen wie Stressreaktionen und Überbelastung verstopft werden“, sagt Dr. Uhre. So lässt sich auch verstehen, warum Neti bei psychosomatischen Beschwerden wie z.B. Asthma ganz konkret Erleichterung verschaffen kann, denn auch bei asthmatischen Anfällen schwellen die Schleimhäute und verursachen Atembeschwerden indem die Atemwege durch Schleim verstopft werden.

Die Wirkungen von Neti sind also sehr umfassend, und es bleibt einem jedem selbst überlassen wie er/sie es benutzen will: als tägliche Routine zusammen mit dem Zähneputzen – als „Medizin“ wenn man es nötig hat – als Hilfe wenn man aufhören will zu rauchen – im Zusammenhang mit den Atemübungen des Yoga oder ganz einfach wenn man Lust auf eine Erfrischung hat…

So wird die Nasenspülung gemacht:

  • Zur Nasenspülung benutzt man eine Netikanne, eine Kanne mit einer Tülle die in ein Nasenloch passt. Du füllst die Kanne mit körperwarmem Wasser und löst einen Teelöffel gewöhnliches Salz darin auf.
  • Du kannst normales Kochsalz für die Nasenspülung verwenden, am besten ist ein Salz ohne Trennmittel. (Meersalz kann in seltenen Fällen eine allergische Reaktion hervorrufen.)
  • Das Wasser in der Kanne hat jetzt denselben Salzgehalt wie der Körper (0,9%) und es wird sich angenehm anfühlen, wenn es durch die Nase rinnt.
  • Mache Neti am besten über einem Waschbecken. Du hältst die Kanne in der einen Hand und setzt die Tülle in ein Nasenloch, so dass sie dicht schließt. Dann beugst du dich nach vorne, öffnest den Mund und drehst den Kopf leicht zur Seite (s. Abb.). Jetzt läuft das Wasser von selbst durch das eine Nasenloch hinein und durch das andere wieder heraus. Atme entspannt durch den Mund. Wenn die Hälfte des Wassers durch das eine Nasenloch gelaufen ist, bläst du vorsichtig eventuell verbleibendes Wasser und Schleim heraus. Dann wiederholst du das ganze zur anderen Seite.
  • Anschließend muss die Nase getrocknet werden. Hierzu beugst du dich nach vorne und lässt den Kopf nach unten hängen, so dass das restliche Wasser aus der Nase herauslaufen kann. Schließe dann ein Nasenloch mit dem Zeigefinger und drehe den Kopf abwechselnd von Seite zu Seite. Blase dabei vorsichtig (nie zu kräftig) durch jeweils ein Nasenloch – so lange bis die Nase trocken ist. Diese Übung zum Trocknen ist ein wichtiger Teil der Nasenspülung und sollte jedes mal sorgfältig durchgeführt werden.
  • Nach der Nasenspülung kann man auch mit Vorteil einige Atemübungen anschließen – vor allem Blasebalg oder Kapalabhati, sie reinigen die Lungen und Atemwege und versorgen das Blut mit mehr Sauerstoff. Als einen harmonischen Abschluss eines solchen kleinen Programms kannst du auch den Wechselatem machen, um noch mehr Balance und Klarheit im Gehirn zu erreichen.

Bericht einer Leserin über die Nasenspülung und der Kopfstand

 

Wir freuen uns, dir unsere Yogi’s Nosebuddy präsentieren zu dürfen. Lies darüber, wie du sie verwendest und warum du die Nase spülst. Du kannst auch Netikannen direkt von unserem Shop bestellen.