Wie Kreise im Wasser

von Mira


Kürzlich stieß ich auf die Ansicht : „Man muss dafür sorgen, dass Yoga nicht egoistisch wird, man muss ja auch an den Weltfrieden denken“.

Das brachte mich dazu, darüber nachzudenken, wann man etwas für sich selbst tut und wann etwas für andere? Und wie hängt das mit dem Frieden auf der Erde zusammen?

Hierzu fiel mir ein Sommerabend am Retreatzentrum in Håå ein. Die Teilnehmer eines neuen Kurses waren gerade angekommen. Wir saßen im Yogaraum und alle stellten sich vor. Ich hatte viele Sommer am Retreatzentrum verbracht, da ich mich um den ökologischen Gemüsebau kümmerte, und erkannte einen mittelalten Mann aus Norwegen wieder. In den letzten Jahren hatte er recht regelmäßig an Kursen teilgenommen und als er an der Reihe war, sich vorzustellen, berichtete er ganz lebendig:

Ich konnte es mir dieses Jahr eigentlich nicht leisten, zu einem Kurs zu kommen, aber als ich dies meinen Freunden erzählte waren sie ganz bestürzt. Sie begannen Geld für mich zu sammeln, so dass ich trotzdem kommen konnte.“

Diejenigen, die ihn kannten, lächelten. Er pflegte nämlich recht viel Fahrt drauf zu haben, wenn er kam, und war wesentlich ruhiger und ausgewogener, wenn er zwei Wochen später nach Hause reiste. Offenbar waren seine Familie und Freunde sich darüber einig, dass auch sie auf diese Weise eine Menge vom Kurs hatten.

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Ein anderes Mal unterrichtete ich an der Yogaschule in Kopenhagen, und nach der Stunde kam eine Frau zu mir und sagte:

„Meine Tochter hält so viel davon, dass ich Yoga mache. – Ja, sie sagt, dass ich sie nicht mehr so viel ausschimpfe.“

Diese Erfahrung des jungen Mädchens mit ihrer Mutter stimmt übrigens überein mit einer der Grundeinstellungen eines Programms zur Lösung von Konflikten, das kürzlich vom Conflict Resolution Network in Sydney, Australien, mit Unterstützung der FN ausgearbeitet wurde. Hier heißt es:

„Wenn die Dinge sich ändern sollen, musst ich mich ändern.“

Dass die Dinge zusammenhängen und eingehen in einer Ganzheit, kommt auch in der neuen Defintion der WHO über Gesundheit zum Ausdruck:

„Gesundheit ist ein Zustand von vollständigem physischen, mentalen und sozialen Wohlbefinden, und nicht allein die Abwesenheit von Krankheit oder Schwäche.“

Betreffend Weltfrieden verdient es höchsten Respekt für Toleranz und Frieden zwischen Völkergruppen und Nationen zu arbeiten. Durch meine Erfahrung mit Yoga kann ich sehen, dass Ruhe und Wohlbefinden von innen kommen, und sich genauso wie gute Laune und Inspiration verbreiten. Bin ich in Harmonie mit mir selbst, ist es leichter dies mit der Umgebung zu sein, und ich frage mich, ob nicht hier der Weltfrieden beginnt?