Yoga und die feinere Energie

Pawanamuktasana“ – die kleinen luft- und spannungslösenden Übungen und ihre tiefgehenden Wirkungen auf die feinere Energie des Körpers


Die kleinen luft und spannungslösenden Übungen ist ein leichtes Programm, das die meisten ohne Probleme ausführen können. Es ist das erste Yogaprogramm, das man auf unseren Grundkursen kennenlernt, weil es eine ausgezeichnete Vorbereitung auf andere Yogastellungen ist. Es wird oft als ein Programm für Anfänger und Ältere betrachtet.

Pawanamuktasana ist allerdings mehr als das, auch wer Erfahrung mit Yoga hat, kann großen Nutzen von seinen Wirkungen haben. Pawana bedeutet Luft, Mukta Befreiung und Asana Yogastellung.

Alle Gelenke werden bewegt

Pawanmuktasana besteht aus einer Reihe von Bewegungen, die wirkungsvoll Gelenke und Muskeln von Steifheit und Giftstoffen befreien und Luft aus den Därmen freisetzen.

DSC00763-korrMan beginnt damit, die Zehen und Fußgelenke zu strecken und zu beugen, man macht Kreisbewegungen mit den Füßen und anschließend eine Venenpumpenübung, wo man Knie und Fuß beugt und streckt. Man geht weiter zu den Fingern, man beugt und spreizt sie, beugt die Hände in den Handgelenken auf und ab und macht dann Kreisbewegungen mit geballten Fäusten. Dann folgen die Arme und Schultern, deren Glieder gestreckt, gebeugt und gedreht werden.

Systematisch geht man durch den Körper. Hals, Rücken, Hüften und selbst die Därme werden durch Übungen beeinflusst, die auf die Peristaltik wirken. Anschließend macht man eine Pause, in der man völlig still auf dem Rücken liegt.

Im Buch Yoga, Tantra und Meditation in meinem Alltag von Swami Janakananda findest Du eine gründliche Beschreibung mit Abbildungen von allen Übungen.

Die Energie

Wir wollen uns nun mit den tiefer gehenden Wirkungen beschäftigen, die diese Übungen auf die Energie des Körpers (Prana) haben.

DSC00840-korrPrana ist ein anderes Wort für die psychische Energie, die sowohl in China wie auch in Indien bekannt ist. In Europa wurde sie zunächst Vitalenergie genannt, dann Biologische Energie und der Österreichische Psychoanalytiker Wilhelm Reich taufte sie später um zu Orgon-Energie. Das Sanskritwort für diese Energie ist Prana, sie ist im tantrischen Yoga ausführlich beschrieben. In China wird sie Ki genannt.

Prana hat mehrere Funktionen im Körper. Man kann sagen, dass eine Energie die Verdauung steuert und eine andere die Ausscheidung, eine dritte ist mit dem Atem verbunden, eine vierte ist die Energie, die in unseren Sinnesorganen und in den Armen und Beinen fließt. Schließlich gibt es eine übergeordnete Funktion, die die Energien als Ganzheit in Balance hält und sammelt.

Ein Pranastrom oder eine Energiebahn wird im Yoga Nadi genannt. Der Japaner Dr. Hiroshi Motoyama sagt in diesem Zusammenhang: „Ich bin der Ansicht, dass die Nadis vollkommen den Meridianen der chinesischen Akupunktur entsprechen.

Im Yoga wird Prana und dessen Fluss u.a. durch die Yogastellungen beeinflusst und vor allem durch die Atemübungen, deren eigentlicher Zweck ist, die Energie bewußt zu machen: Pranayama. Später, wenn man Yoga beherrscht, und gelernt hat zu visualisieren und zu meditieren, kann man lernen, durch bewusstes Einwirken auf die Energie zu heilen; dies wird Prana Vidya genannt, das Wissen vom Prana.

Auf diese Themen werden wir immer wieder zurückkommen, da sie einen wesentlichen Teil des Yogaunterrichts ausmachen.

 

Die Stellungen des Yoga fördern den Energie-Umlauf

Das Folgende basiert auf einer Untersuchung, die Dr. Motoyama, ausgehend von seinem Wissen über die chinesische Akupunktur, in Zusammenarbeit mit Swami Satyananda gemacht hat.

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Gemäß Ayurveda, der alten indischen Medizin, wird der Körper von drei „Körperflüssigkeiten“ kontrolliert: Schleim (Kapha), Luft (Vayu), und Säure oder Galle (Pitta). Unausgewogenheit in der Funktion von einer dieser drei „Flüssigkeiten“ stört den Stoffwechsel des Körpers. Dies wird als eine grundlegende Ursache von Krankheiten betrachtet.

Mit Vayu sind hier nicht nur Luft oder Gase in Magen und Darm gemeint, sondern auch eine gröbere Form von Prana, die man sich als eine subtile Körperflüssigkeit vorstellen kann, die durch die Nadis (Energiebahnen) strömt.

Besonders bei den Gelenken wird der Fluss der Ki-Energie (oder Prana) leicht gehindert. Ein schlechter Fluss an diesen Stellen kann rheumatische Schmerzen verursachen und zu einem unzureichenden Energiefluss überall im Körper führen, was wiederum der Ursprung für Erkrankungen sein kann. Der Zweck von Pawanamuktasana ist es, den Fluss von Prana durch die Nadis zu fördern, in erster Linie durch das Beseitigen von Blockierungen an den Gelenken.

Beachte, dass man bei den Beinen mit den Zehen beginnt, dann mit den Fußgelenken und den Knien weitermacht und mit den Hüften aufhört. Bei den Armen geht man von den Fingern zu den Handgelenken, den Ellenbogen und den Schultern, in dieser Reihenfolge.

Bevor man Pawanmuktasana oder auch andere Yogastellungen ausführt, ist es empfehlenswert eine Weile völlig still auf dem Rücken zu liegen. Das entspannt den Körper und bewirkt, dass Prana leicht aufgenommen und verteilt wird.

 

Sei-Punkte

Die Wirkung der luftlösenden Übungen auf den Umlauf von Prana kann man von der chinesischen MeridianTheorie her folgendermaßen erklären:

DSC00890-korrEs gibt 12 Hauptmeridiane der Ki-Energie, die über den Körper und durch den Körper hindurch verlaufen; die meisten von ihnen sind mit einem bestimmten inneren Organ verbunden, durch welches sie hindurch verlaufen. Die Endpunkte dieser Meridiane liegen auf den Fingern und Zehen und werden Sei-(„Brunnen“)Punkte genannt. Zum Beispiel befindet sich der Sei-Punkt des Lungenmeridians auf dem Daumen, und der Sei-Punkt des Dickdarms auf der Spitze des Zeigefingers. Auf entsprechende Weise liegen die übrigen Sei-Punkte in den Fingern und Zehen auf beiden Körperhälften.

Die Sei-Punkte sind von großer Bedeutung, da hier die Ki-Energie in die Meridiane hinein und aus ihnen herausströmt. Man sagt, dass das Energieniveau in diesen Punkten exakt den Zustand im gesamten Meridian widerspiegelt. Es ist bekannt, dass bei akuten Krankheiten Akupunktur an diesen Stellen eine unmittelbare Wirkung hat.

Die Übungen in Pawanamuktasana, wo man die Hände zu Fäusten macht und die Zehen beugt, stimulieren die Sei-Punkte direkt, und fördern dadurch den Umlauf der Ki-Energie (Prana).

 

Gen-Punkte

Die chinesische Medizin spricht auch von Gen-(„Quelle“)Punkten, die entweder in den Hand bzw. Fußgelenken oder zwischen dem Sei-Punkt und dem Gelenk liegen. Krankheiten der inneren Organe können sich oft an den Gen-Punkten der entsprechenden Meridiane zeigen, und Behandlung wird häufig dort verordnet. Die Übungen, die die Hand- und Fußgelenke beugen und drehen, stimulieren die Gen-Punkte und helfen, dadurch die Funktionen in den inneren Organen zu verbessern, die mit den zwölf Meridianen verbunden sind.

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Diese Erklärung über die Sei- und Gen-Punkte ist in The Yellow Emperors Treatise on Internal Medicine zu finden – der ältesten Schrift in der chinesischen Medizin. Die Schrift besagt ebenso, dass Knie und Ellenbogen eng mit den Gen-Punkten verbunden sind und dass auch dies eine Bedeutung bei der Behandlung von Krankheiten der inneren Organe haben kann. Das Bewegen der Knie und Ellenbogen ist also nutzbringend, und dasselbe gilt für das Stimulieren der Hüft- und Schultergelenke.

 

Die allgemeinen Wirkungen der Übungen

Innerhalb der westlichen Medizin betrachtet man die Gelenke als empfindliche Bereiche des Körpers. Flüssigkeit hat eine Tendenz, sich hier zu stauen und anzusammeln, wodurch der gesamte Körper nach und nach ermüdet. Dieser Zustand kann zu Rheumatismus und Nervenkrankheiten führen, verbreiteten Erkrankungen in unserer Zeit. Auch auf diesem Hintergrund kann man die wohltuende Wirkung von Pawanamuktasana sehen. Abgesehen davon, dass es den Fluss der Ki-Energie durch die Meridiane verbessert, fördert es die Zirkulation von Blut und den Körperflüssigkeiten durch die Gelenke und hilft dadurch, Krankheiten zu heilen und die Gesundheit aufrecht zu erhalten.