Erfahrung und Wissen

Von der Lehrerausbildung an der Skandinavischen Yoga und Meditationsschule

zusammengestellt und redigiert von Swami Ma Sita Savitri 1996 (überarbeitet 2016)


Erster Teil – Vollzeit-Training

Was geplant ist, ist Tradition.
Was ungeplant ist, ist Phantasie.
Was aus beidem besteht, ist Geist.
(Altes Sufi Sprichwort)

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Die Yogalehrerausbildung ist ein kreativer Prozess, ein dynamisches Training, eine Lehrzeit und vor allem eine Lebensweise. Dieser Prozess ist nach außen gerichtet, zur Gesellschaft hin, mit der wir ständig kommunizieren, und gleichermaßen tief nach innen im Hinblick auf die Meditationen und Methoden, die wir benutzen, und die Art und Weise, wie wir in unseren Schulen und Ashrams leben.

Unsere Yogalehrerausbildung umfasst weitaus mehr als einige Treffs in der Woche und an bestimmten Wochenenden. Sie ist eine Vollzeitausbildung. Sie ist für Menschen, die aufrichtig eine sinnvolle Weise zu leben und zu arbeiten suchen, und die auch anderen helfen wollen.

Die Lebensumstände rund um die Ausbildung machen es möglich, Werte zu erreichen, die normalerweise in der Gesellschaft unerreichbar sind: die Freude am Sein zu wecken und zu stärken, und weniger dafür zu kämpfen, jemand anders zu werden.

Ziel von Ausbildung und Training sind persönliches Wachstum und spirituelle Einsicht, gegründet auf einer soliden Kenntnis von Yoga und Meditation. Es ist ein Training, das im Kontrast zur Mediengesellschaft steht, wo der Geist des Menschen mit Informationen gefüllt wird, während es an persönlicher Erfahrung fehlt. Dies resultiert in Angst, Gefühllosigkeit und Passivität. Unglücklicherweise leiden viele Ausbildungen an gerade diesem Mangel. Selbst manche Yogalehrerkurse legen den Schwerpunkt darauf, den Schüler mit theoretischem und mythologischem Wissen zu füttern, und enthalten kaum Anleitung oder Anregung zu einer individuellen Praxis, was das Erleben der Wirkung von Yoga und Meditation begrenzt.

Es dauert vier Jahre, an unserer Schule selbständiger Yogalehrer zu werden, und zwei weitere Jahre, wenn man auch Meditation unterrichten will.

Die Ausbildung wird als ein aufregendes und reiches Kapitel im Leben gesehen, nicht als etwas, das man nur unternimmt, um ein Diplom zu erhalten. Wer die Lehrerausbildung absolviert hat, kann je nach Länge und Art der Ausbildung ein Zeugnis bekommen:

1) Yoga;

2) Yoga und Meditation;

und schließlich

3) Yogacharya (ein spiritueller Wegbegleiter und Meister des Yoga).

Das Zeugnis enthält allgemeine und persönliche Informationen sowie eine Aufzählung der Inhalte, in denen der Lehrer zu unterrichten befähigt ist.

Dreimonatsretreat – eine starke und solide Grundlage

Die Yogalehrerausbildung beginnt mit dem dreimonatigen Sadhana-Retreat im Haa Retreat Center. Wir unterrichten auf Englisch. Für diesen Kurs gibt es keine anderen Aufnahmebedingungen als die Lust, teilzunehmen und den Kursinhalt zu verinnerlichen. Schon dieses Retreat ist umfassender und gründlicher als viele Yogalehrerkurse rundum in der Welt. Trotzdem ist es nicht Ziel des dreimonatigen Retreats,  Lehrer auszubilden, und es vermittelt keine Unterrichtskompetenz. Er ist vor allem ein Prozess für die eigene Entwicklung und Einsicht. Egal was man nach dem Dreimonatsretreat tut, bildet das, was man hier lernt, eine einmalige Grundlage für das eigene Sadhana (die persönliche Ausübung von Yoga und Meditation) in den folgenden Jahren. Die meisten Menschen, die an diesem Retreat teilnehmen, beabsichtigen nicht, sich zum Yogalehrer ausbilden zu lassen.

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Auf einem Yogalehrerseminar in Håå gibt es neben dem Unterricht im Yogaraum auch praktische Aufgaben zu lösen. Hier wird ein Abwasserring an seinen Platz manövriert. Die Kinder schauen im Hintergrund zu.

 

Der formelle Anfang

Am Ende des dreimonatigen Retreats findet ein Gespräch zwischen dem Lehrer und dem Schüler statt, der die Ausbildung beginnen möchte. Wenn dieses Gespräch zur beiderseitigen Zufriedenheit ausfällt, verpflichtet sich der Schüler, der Ausbildung zu folgen, und der Lehrer verpflichtet sich, den Schüler anzunehmen und entsprechend den hier beschriebenen Bedingungen zu unterrichten.
Die Ausbildung findet dann in einer der Stadtschulen und/oder im Haa Retreat Center statt.

 

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Kann die Stellung noch ein wenig verbessert werden? Korrektur des Schulterstands während eines 14-tägigen Retreats in Håå.

Die Ausbildung im Überblick

Das Jahr ist unterteilt in drei Unterrichtsperioden, die jeweils ungefähr vier Monate dauern.
Im Sommer sind die Stadtschulen die meiste Zeit geöffnet, aber die Lehrer und Aspiranten verbringen auch Zeit im Haa Retreat Center. Dort nehmen sie entweder an einem Retreat teil, helfen selbst bei der Betreuung von Kursen mit oder besuchen den Unterricht für Yogalehrer.
Das restliche Jahr über (September – Dezember und Januar – April) geben die Yogalehrerklassen theoretische wie praktische Einsicht in Yoga.

Module

Die Themen des Unterrichts sind als Module zusammengefaßt. Ein Hauptmodul sowie mehrere kleinere Module werden von September bis April behandelt, und im Laufe von vier Jahren werden alle Module abgedeckt.

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Es reicht nicht allein, ein tüchtiger Yogalehrer zu sein. Man braucht auch praktische Fähigkeiten, zum Beispiel für für Layout- und Computerarbeiten.

Die vier Hauptmodule sind:

1. Hatha Yoga Reinigungsprozesse, inklusive Tratak (eine Konzentrationstechnik). Asana, die Yogastellungen und ihre Wirkung auf Körper, Geist und Psyche. Yogatherapie, sie umfasst sowohl das traditionelle Wissen der Yogis wie auch aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen darüber, wie Yoga als Heilmethode angewandt werden kann.

2. Das Reinigen der Energieströme sowie das Erwecken und die Anwendung von psychischer Energie, unter anderem Pranayama (Atemübungen), Mudra und Bandha (Haltungen und Verschlüsse), Prana Vidya („Wissen von der Energie” – eine Heilmethode). Der körperliche und psychische Nutzen von Pranayama. Das Gleichgewicht in der Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhälften und vieles mehr.

3. Entspannung beim Yoga in Theorie und Praxis, hauptsächlich gegründet auf den verschiedenen Variationen von Yoga Nidra (Tiefenentspannungen des Yoga), auf Savasana (totenstill zu liegen) sowie auf Methoden, um Einflüsse zu meistern (Pratyahara). Letzteres geschieht durch Erleben, Akzeptieren und den Dingen Begegnen, durch Entspannungs- wie auch Meditationstechniken.

4. Konzentration, Dharana; Tratak (Inneres und Äußeres) und Visualisieren (s. Zweiter Teil: Ein Modul) und Nada Yoga.

Andere Themen, die im Laufe der vier Jahre zusammen mit den Hauptthemen abgedeckt werden:
Grundlagen des Yoga;
Tantra – Haltung und Praxis;
Quellen- oder klassische Texte;
Gesänge und Tänze aus verschiedenen Teilen der Welt, mit Schwerpunkt auf Kirtan (Singen von Mantra);
Wissenschaftliche Forschung über Yoga und Meditation (Forschung, die an der Schule stattfindet sowie Studium von anderen Untersuchungen);
Grundlegende Anatomie und Physiologie;
Yoga für Schwangere
u.v.a.m.

Meditation:
Der Meditationsunterricht findet hauptsächlich in den Yogalehrerseminaren und den Retreats im Haa Retreat Center, im Satsang mit Swami Janakananda, in Antar Mauna (Innere Stille)-Kursen in Kopenhagen und Stockholm sowie durch persönliche Anleitung und Praxis statt.

 

Themen der Ausbildung

Die Liste enthält die Namen der meisten Themen, Methoden und Disziplinen oder Gruppen, mit denen der Aspirant im Laufe der Ausbildung theoretisch und praktisch vertraut gemacht wird.
Abstrakte Meditation
Ajapa Japa
Antar Mauna (Innere Stille)
Asana
Atembewusstsein
Aufmerksamkeit
Bandha
Bhakti Yoga
Brahmacharya
Chakra
Chakra Arohan/Awarohan
Chaya Upasana
Chidakasha Dharana
Chit-Agni Kriya
De-Automatisierung
Dharana and Dhyana; Sthula, Jyotir, Sukshma; Swarupa
Entspannung
Grundlegende Konzepte von Yoga
Hatha Yoga Shatkarmas (Reinigungsprozesse)
Japa Yoga
Jnana Yoga
Karma Yoga
Kirtan
Kommunikation
Konfrontation
Kriya Yoga
Kumbhaka
Kundalini Yoga
Laya Yoga
Maithuna, die tantrischen sexuellen Rituale (theoretisch)
Mantra
Mauna
Medizinische Forschung über Yoga und Meditation
– Abhandlungen externer Forscher
– Untersuchungen, an denen die Schule teilnimmt
Mudra
Mystizismus
Nada Yoga
Nadi
Nicht-Meditation
Öffentliches Sprechen
Om-Chanting
Prana
Prana Vidya
Pranayama
Pratyahara
Raja Yoga
Sadhana
Samadhi
Sankalpa
Satsang
Schamanismus im Vergleich zu Yoga und Tantra
Schriften von Yoga und Tantra
Spiegel-Meditation
Spontane Meditation
Sufi-Tanz
Swara Yoga
Tantra
Tattwa
Tratak; Antar, Bahir
Träume
Vairagya
Vishuddhi Shuddhi
Visualisierung
Viveka
Yantra
Yoga in verschiedenen (frühgeschichtlichen) Kulturen
Yoga Nidra und im Vergleich zu Yoga Nidra Themen wie:
– klinische Hypnose;
– autogenes Training;
– progressive Entspannung;
Yoga-Therapie

Unterricht

Der Aspirant nimmt wöchentlich an drei Unterrichtseinheiten teil, die jeweils ca. zwei Stunden dauern. Die Themen sind:
Pädagogik und Praxis des Yoga. Hier unterrichten die Aspiranten die anderen Yogalehrer und erhalten konstruktives Feedback. Sie erfahren den Aufbau der verschiedenen Yogaprogramme und lernen, wie Schüler verschiedener Niveaus zu unterrichten sind, welche Inhalte die einzelnen Unterrichtsstunden haben und wie man von Woche zu Woche sowie von Saison zu Saison vorgeht.
Die vergangene Woche… Durch Fragenstellen und durch Berichte aus den regulären Klassen an der Schule erhält der Aspirant im Laufe der fortschreitenden Ausbildung ständig die notwendige Anleitung (siehe auch Das erste Jahr).
Jedes der vier erwähnten Module ist vertreten durch:

a. Quellenmaterial in Form von Texten.

b. wissenschaftliche Berichte.

c. praktischen Unterricht mit den für das jeweilige Modul relevanten Methoden.

d. individuelle Praxis und Erfahrung mit den Methoden, die zum jeweiligen Modul angewandt werden.

Jede Woche nimmt man darüber hinaus an den gemeinsamen Meditationen teil, sowie am regulären Yoga- und/oder Meditationsunterricht von einem der erfahreneren Lehrer der Schule, entweder als Schüler oder als Unterrichtsassistent.

Karma Yoga

Ein wesentliches und unentbehrliches Element der Ausbildung und Übung ist Karma Yoga. Es enthält Zusammenarbeit und Kommunikation mit den anderen Yogalehrern beim Betreiben der Yogaschule, mit all den Aufgaben, die dazugehören, wie Schreiben, Erlernen und Anwenden von Computerarbeit, Layout-Gestaltung, Drucken und Verteilen von Broschüren, Führen des Yoga-Shops, Kommunikation mit den Kursteilnehmern, Verwaltung, Planung von Kursen, Kochen, Putzen, Buchführung, Betreuung der Pferde in Håå, Landwirtschaft und Gartenarbeit, Waldarbeit, Bauarbeiten und – selbstverständlich – Unterrichten.

 

„Karma Yoga schult deine Aufmerksamkeit und steigert deine Energie. Intellektuell ist es einfach zu wissen, was zu tun ist und wie eine Aufgabe anzugehen ist, aber was geschieht in der Praxis? Bist du in der Lage, mit alten Gewohnheiten und begrenzenden Einflüssen zu brechen? Das erfährst du, indem du dich Karma Yoga hingibst.

Die Haltung von Karma Yoga ist essentiell für einen Yogalehrer. Man tut, was notwendig ist, und man lernt, nicht selbstfixiert zu sein. Es sollte kein verdecktes Motiv dafür geben, Yoga zu unterrichten. Ich erwarte von den Schülern, dass sie auf Wiedersehen sagen, wenn sie gehen, aber ich erwarte nicht, dass sie mir danken. Das will jedoch nicht heißen, dass es an Kommunikation mangelt…

Der Ashram schafft eine gute Grundlage, um Karma Yoga in die Praxis umzusetzen.” (Mira – Leiterin der Schule in Stockholm)

 

„In der Yogalehrerausbildung arbeiten wir praktisch mit den Fähigkeiten, die für eine gute Leitung notwendig sind: Überblick durch das Handhaben von verschiedenen Aufgaben, Intuition durch persönliche Praxis, Übung in der Kommunikation und eine bewusste Haltung zu Verantwortung. Das Training ist nicht von Vornherein festgelegt, sondern es entwickelt sich im persönlichen Verlauf, entsprechend den Fähigkeiten und Voraussetzungen – wie die Dynamik einer gesunden Organisation.

Tatsächlich erlebe ich, dass die Ausbildung eine Essenz hinter dem Ganzen berührt, die tiefer geht als alle Führungstheorien und Kommunikationsanalysen. Es ist die spontane Fähigkeit, in einer bestimmten Situation gegenwärtig zu sein und zu handeln, ohne irgendein bestimmtes Motiv zu haben. Paradoxerweise passt diese Haltung nicht zu einer Gesellschaft, die auf Konkurrenz aufbaut – ein Leiter ohne ein bestimmtes Motiv…” (Uri)

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Die Schule arbeitet ständig zusammen mit Ärzten und Forschern an wissenschaftlichen Untersuchungen über Yoga und Meditation. Hier wird einer der Lehrer an der Universitätsklinik in Köln vermessen. EEG, Atmung, Blutdruck u.m. Die Daten werden zur späteren Auswertung in einem Computer gesammelt.

Yogalehrerseminare

Grundlegender Bestandteil der Ausbildung sind die jährlichen Yogalehrerseminare im Haa Retreat Center: zwei Wochen im Mai, zwei im August/September, ein Wochenende im Oktober und zweieinhalb Wochen im Dezember.

Diese Seminare werden von Swami Janakananda gemeinsam mit den erfahrenen Lehrern der verschiedenen Zweigstellen der Schule geleitet.

Da die Schüler nicht nur aus Skandinavien, sondern auch aus anderen Ländern kommen, wird vor allem Englisch gesprochen.

Außer praktischen Yogaübungen, Meditation und Satsang hat jedes Seminar ein Schwerpunktthema, um das es in den Klassen und Diskussionen geht.

Die Seminare sind intensiv und dienen dazu, die Meditation und die Einsichten des einzelnen Lehrers zu stärken. Sie wirken ebenso als „Reinigungsprozess” am Ende jeder Unterrichtssaison. Sie erlauben den Lehrern, die Einflüsse und Spannungen loszulassen, die sich durch die intensive Arbeit beim Unterricht an den Schulen angesammelt haben. So kann man neue Energie laden, Ausgewogenheit und den Mittelpunkt in sich selbst finden und die Arbeit, die wir verrichten, aus einer weiteren Perspektive betrachten. Daher sind nur wenige Stunden pro Tag rein theoretisch ausgerichtet.

Während dieser Seminare wird Wert auf die persönliche Ausübung von Yoga und Meditation gelegt. Der Tag beginnt mit Kriya Yoga im Yogaraum (wie auch im Alltag in den Schulen), gefolgt von einer oder zwei Unterrichtsstunden im Laufe des Tages.  Am Abend finden, neben Gesprächen und Diskussionen, gemeinsame Meditationen und gelegentlich Kirtan (Musik und Tanz) statt.

Die Lehrer und Lehreranwärter aus allen Ashrams treffen sich und tauschen Erfahrungen aus. Außerdem wird die Ausbildung für jedes Jahr zwischen den Zweigstellen der Schule koordiniert. Wir arbeiten auch gemeinsam an verschiedenen praktischen Aufgaben, z.B. an der Instandhaltung des Haa Retreat Center.

Menschen kommen und gehen, und einige der unabhängigen Yogalehrer, die ihre formelle Ausbildung abgeschlossen haben, kehren regelmäßig zu den Yogalehrerseminaren nach Håå zurück.

Gastlehrer

Hin und wieder wurden Mediziner und Forscher aus den Gebieten der Psychologie als Gastlehrer zur Yogalehrerausbildung eingeladen, hauptsächlich zu unseren Yogalehrerseminaren. Es wurden Kurse in Nada Yoga mit Roop Verma abgehalten, so, wie es von indischen Musikern gelehrt und ausgeführt wird. Andere nennenswerte Kurse behandelten tantrisches Yantra mit dem tantrischen Maler Sohan Qadri aus Indien, Sufi-Tanz und afrikanisches Trommeln und Tanzen. Kürzlich hatten wir einen Kurs über Zeit-Management, Konfliktlösung und Kommunikation unter der Leitung von Robyn Taylor, einer hochqualifizierten Lehrerin aus Australien. Wir hatten einen Sprachpädagogen und einen Neuropsychologen zu Gast, mit denen wir auch gemeinsam geforscht haben.

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Ajit Mookerjee, der mehrere Bücher über tantrische Kunst geschrieben hat, und Jabrane Sebnat, marokkanischer Sufimeister, sind einige der Gastlehrer, denen die Yogalehrer im Laufe der Jahre in Håå begegnet sind.

Vier Jahre

Das erste Jahr beginnt mit der Teilnahme am dreimonatigen Sadhana-Retreat in Håå, von Januar bis April. Nach dem Kurs leben die Aspiranten weiterhin in Håå. Sie helfen bei der Durchführung der Sommerkurse mit und nehmen in dieser Zeit an einigen Yogalehrerklassen teil. Im September beginnt der intensivere Unterricht mit drei Yogalektionen pro Woche, in denen praktisch und theoretisch unterwiesen wird. Die Anwärter nehmen auch als Assistenten am Unterricht der älteren Lehrer teil und führen tägliche Arbeiten im Ashram und im Retreat Center aus.

Sadhana: Die eigene selbständige Yoga- und Meditationspraxis ist die ganze Ausbildung hindurch Teil der täglichen Routine.

Unterrichtserfahrung: Im Laufe des Jahres beginnt man, unter der Leitung eines erfahrenen Lehrers ein oder zwei Anfängerklassen zu unterrichten.

Das zweite Jahr: Die individuelle Praxis geht weiter, wird vertieft und stabilisiert. Die Yogalehrerklassen finden weiterhin statt. Der Aspirant beginnt jetzt, mehr zu unterrichten und übernimmt mehr Verantwortung bei verschiedenen Karma Yoga-Aufgaben.

Das dritte Jahr: Jetzt hat der Aspirant Erfahrung gesammelt und übernimmt umfangreichere Verantwortung beim Betreiben der Schule, in der Verwaltung und Planung, in der Ausbildung sowie im Unterricht und der Anleitung anderer.

Das vierte Jahr: Der Aspirant beginnt sich darauf vorzubereiten, Meditation zu unterrichten. Nach dem vierten Jahr erhält man immer öfter die Möglichkeit, in Meditation zu unterweisen.

Natürlich variiert die Ausbildung je nach den individuellen Bedürfnissen und Wünschen, der Motivation und den Fähigkeiten. Eine Yogalehrerausbildung allein ist jedoch keine Garantie, es hängt vom Individuum ab – oder mit Swami Satyanandas Worten: „Yoga befreit Dich nicht, dies tust Du selbst“.

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Yoga-Show mit Swami Janakananda und den Yogalehrern in der Olympia Hall, London 1979. Das Bild unten links stammt aus derselben Show, während das rechte Bild in einer Unterrichtssituation am selben Ort entstand.

 

Internationale Veranstaltungen

Seit dem Internationalen Yogakongress in Monghyr, Indien, im Jahre 1973 reisen Gruppen von Lehrern gelegentlich zu internationalen Yogakongressen, die von The International Yoga Fellowship Movement veranstaltet werden. 1977 organisierte die Schule selbst einen solchen Kongress in Stockholm: Meditation, Yoga ’77 unter der Schirmherrschaft von Swami Satyananda. Einige unserer Lehrer haben auch die Kongresse in Bogota 1995 und in Sydney, Australien 1996 besucht,  um nur einige zu nennen.

Yogalehrer und Anwärter haben auch an verschiedenen Festivals teilgenommen, wie Body Mind and Spirit in London, New York, Kopenhagen, Oslo, Stockholm und anderen Städten.

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Ashram – eine Art zu leben

Einige von uns Yogalehrern haben die Einweihung zum Swami erhalten. Einige Teilnehmer haben einen neuen Namen bekommen. Dies beruht auf einem persönlichen Entschluss und ist nicht erforderlich, um im Ashram zu leben oder an der Ausbildung teilzunehmen. Das Leben, das wir führen, ist genauso innerlich und konsequent wie das eines Sannyasin – ein freudvolles Gleichgewicht zwischen dem inneren Leben, unterstützt durch Meditation, und einem Leben in der Gesellschaft, als aktiver und kreativer Lehrer. Was wirklich zählt, ist ein sinnvoller Lebensstil und die Weise, wie wir unsere Fähigkeiten erforschen (Sadhana).

Viele von uns haben mehr als zwölf Jahre lang eine wertvolle Ausbildung und  Kommunikation mit Swami Janakananda genossen. Wir werden heute eher als Lehrer und Wegbegleiter denn als Schüler betrachtet und betreiben die verschiedenen Schulen in gegenseitiger Zusammenarbeit. Andere haben nach vielen Jahren in der Schule unabhängige Schulen eröffnet oder unterrichten selbständig.

Es leben und arbeiten auch Menschen im Ashram, die nicht Yogalehrer werden möchten. Sie wollen eine Periode ihres Lebens dem Sadhana widmen, in der sie mit Yoga und Meditation in der bestmöglichen Umgebung arbeiten können.

Tatsächlich war die ursprüngliche Motivation vieler Lehrer, sich der Schule anzuschließen, an einem Ort zu leben, wo Sadhana Teil des Alltags ist. Nach und nach verstanden sie den Sinn und Wert darin, andere in Yoga zu unterrichten.

Das Finanzielle

Die Kosten der Ausbildung werden in der Einleitung zur Yogalehrerausbildung aufgeführt. Der Grund für die niedrigen Preise liegt darin, dass man im Ashram ein integriertes Leben führt. Bei höheren Kosten müsste man vermutlich Arbeitnehmerverpflichtungen eingehen und hätte nicht genug Zeit für eine umfassende Übung und Ausbildung.
Persönliches Wachstum lässt sich nicht in Form von Geld oder Zeit messen. Andererseits bilden Zeit und Motivation die Grundlage, um eine substantielle und beständige Anleitung gemäß einer lebendigen und zeitlosen Tradition empfangen zu können.

 

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Paramhansa Satyananda auf dem Kongress Meditation,Yoga’77 in Stockholm.

Perspektiven

Die Ausbildung hat eigentlich drei Ziele:
Nach abgeschlossener Ausbildung können die Lehrer selbständig arbeiten und ihr Wissen und ihre Erfahrung des reichhaltigen tantrischen Yoga und der Meditation in ihrem eigenen Leben nutzen sowie an andere weitergeben.

Die Yogalehrer sind so gefestigt, dass sie ihre Arbeit ausführen können, ohne sich von Angst, Zweifel oder Mutlosigkeit überwältigen zu lassen. Etwas, was man oft in der Gesellschaft sieht und was die Unterrichtsweise vieler Yogalehrer in der Welt einschränkt.

Und nicht zuletzt:

Durch die Ausbildung, das Training und ihr Sadhana bekommen die Lehrer Werkzeuge und Lebensperspektiven, mit denen das Spirituelle und das Weltliche, Inneres und Äußeres natürlich und harmonisch miteinander verschmelzen können. So entsteht die Grundlage für ein Leben voller Sinn und Inspiration.

>>> Zweiter Teil – Ein Modul