Psychische Energie

– Die Geschichte der psychischen Energie


„In unserer Zeit haben wir die Elektrizität entdeckt, um die Energie in uns selbst verstehen zu können‟ (Frei zitiert nach Sri Yukteswar in „The Holy Science‟).

Was ist Energie?

Energie, vor allem elektrische Energie als Grundlage aller modernen Technologie, spielt heutzutage eine Rolle in unserer Kultur, die nicht wegzudenken ist. Doch was ist Energie eigentlich? Beginnt ihre Geschichte mit Edisons Entdeckung der Glühbirne und hat sie mit Atomenergie, Laserstrahl und Ultraschall ihre Blüte erreicht? Oder ist das, was heute allgemein als die höchste Stufe der Entwicklung angesehen wird, aus anderer Sicht betrachtet, eine mechanische, grobe und sehr begrenzte, nahezu primitive Form des Gebrauchs von Energie?

Schaut man sich in den alten Kulturen um, so findet man auf allen Kontinenten Spuren über das Wissen und den Gebrauch von kosmischer, biologischer oder psychischer Energie oder wie auch immer man diese Energie nennen mag. In diesem Artikel will ich einige verschiedene Ansätze zeigen.

Ein Blick in die europäische Vergangenheit

Das Interesse für die Erforschung von psychischer Energie, einer Lebensenergie, über die ein jeder Mensch verfügt, lässt sich auch in der europäischen Geschichte zurückverfolgen. Anzumerken sei, dass es sich hierbei nicht um philosophische Betrachtungen handelt, sondern um praktische Methoden, die man unter anderem verwendete, um zu heilen.

Der berühmte Alchemist, Physiker, Arzt und ‚Wunderheiler‛ der Renaissance, Paracelsus (vermutl. 1493 – 1541) verwandte hierfür den Begriff Munis. Er entdeckte, dass die Energie den Körper reinigen und Gesundheit wiederherstellen kann oder dass Blockierungen oder ein schwaches Energiefeld Krankheiten verursachen können. Paracelsus hatte zu seiner Zeit große Heilerfolge. Seine unkonventionellen Methoden waren jedoch mit den herrschenden Vorstellungen der Mediziner nicht vereinbar und er wurde aus der Ärzteschaft ausgeschlossen. In unseren Tagen wird Paracelsus jedoch als einer der Großen seiner Zeit betrachtet.

Der deutsche Forscher Franz Anton Mesmer (1734 – 1815) entwickelte den Begriff animalischer Magnetismus, er kanalisierte die Energie seiner Patienten mit den Händen. Noch heute gibt es sogenannte Magnethopaten, deren Behandlung auf seiner Lehre fußt. Auch Mesmer gelang es nicht, seinen animalischen Magnetismus vor der Ärztekammer zu rechtfertigen und er wurde verfemt.

Im Nachbarland Belgien prägte der Chemiker und Physiker Van Helmont (1580 – 1644) im 17. Jahrhundert den Begriff Magnale Magnum. Er vertrat die Überzeugung, dass durch diese Energie ein Mensch einen anderen auch über Entfernung hinweg beeinflussen oder heilen konnte. Auch der berühmte deutsche Chemiker Baron von Reichenbach (1788 – 1869) arbeitete mit einem ähnlichen Konzept der Energie, die er Odische Energie nannte.

Im 20. Jahrhundert schuf der österreichische Psychologe Wilhelm Reich (1897 – 1957) in seiner Therapie den Begriff Orgon Energie. Er ging davon aus, dass Spannungen und Blockierungen im Energiefeld des Körpers sich als psychische Störungen manifestieren und dass die Psyche ebenso die Energie beeinflusst. Reich verwandte bestimmte Übungen – viele davon ähneln Yogastellungen – um einen freien Fluss der Energie wiederherzustellen. Seine Ideen bilden heute die Grundlage für einige Psychotherapien. Er war einer der bekanntesten Schüler von Siegmund Freud und emigrierte nach Amerika. Anzumerken ist, dass er dort die letzten Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte, da er während des McCarthy Regimes wegen staatsfeindlichen Gedankengutes verurteilt wurde.

Tabu – Angst – Intoleranz

Dieses ist nur eine Auswahl der bekannteren Namen, die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Aber egal ob es Vitalenergie, Munis oder Orgon genannt wird, alle Namen stehen im Grunde für das gleiche: Eine feine Energie, die sich anwenden lässt und die man benutzen kann um zu heilen

Man mag sich wundern, dass so viele verschiedene Namen auftauchen und wieder in Vergessenheit geraten. Keinem dieser Pioniere gelingt es, seine Theorien in der ‚offiziellen‛ Wissenschaft zu etablieren. Die meisten werden gezwungen, ihre Forschungen im Verborgenen auszuführen und einige sogar bis zum Tode hin verfolgt. Ihre Arbeiten fallen in die Kategorien Aberglaube und Scharlatanerie.

Schon um das Jahr 400 wurden die Gnostiker, die sich unter anderem mit den Chakra beschäftigten, verboten. Esoterisches Wissen wurde danach, bis in unsere Zeit hinein nur in geheimen Zirkeln, Logen oder bei den Alchemisten gebraucht. Der Psychologe Carl G. Jung zum Beispiel hatte Verbindung mit solch einer Gesellschaft.

Warum aber stoßen sie auf ein solches Unbehagen und eine solche Intoleranz in der damaligen Kultur? Offenbar war es ein Tabu, sich mit psychischer Energie zu beschäftigen, eine nahezu panische Angst vor dem Unbekannten. Was sich nicht mit bestehenden Mitteln erklären lässt, kann offenbar nicht sein.

Diese Begrenzung liegt jedoch allein in einer materiellen Denk- und Vorstellungsweise begründet. Dies ist nicht überall auf der Welt der Fall. Andere Kulturen, so will ich später zeigen, haben den Gebrauch von psychischer Energie in den Alltag integriert. Zunächst jedoch ein Ausflug in die heutige naturwissenschaftliche Betrachtungsweise.

Entdeckungen im Ostblock – Psychotronische Energie

In den späten 20er Jahren hatte man in Russland ein reges Interesse an der Erforschung psychischer Energie und sogenannter paranormaler Fähigkeiten (Gedankenübertragung auf weite Entfernungen, Bewegen von Gegenständen durch Willenskraft u. ä.). Verschiedene Forscherteams – Physiker, Mathematiker, Biologen und Psychologen – erhielten großzügige Unterstützung vom Staate und es wurden ihnen Labors mit elektronischen Messgeräten zur Verfügung gestellt. In umfassenden Untersuchungen über mehrere Jahre gelang es ihnen, auf verschiedene Weise eine „nicht mechanische Energie greifbar zu machen und zu dokumentieren. Die Wissenschaftler sind sich einig, eine revolutionäre Form der Energie entdeckt zu haben, ein Energiefeld oder einen Energiekörper, den jeder Mensch hat.

„Alle Lebewesen sind erfüllt von einer Art Energie, die bis vor kurzem der westlichen Wissenschaft unbekannt gewesen ist. Diese Bioenergie, die wir Psychotronische Energie nennen, ist offenbar die Grundlage für PSI (außernatürliche Fähigkeiten).‟

In dem Buch Psychic Discoveries behind The Iron Curtain veröffentlichten die Amerikaner Ostrander und Schroeder 1973 die interessantesten und spektakulärsten Resultate dieser Untersuchungen. Natürlich haben die Forscher im Osten diese Energie nicht neu erfunden – ihre Entdeckungen greifen jedoch von neuem auf, was in vielen alten Traditionen überliefert wird. Ihr Verdienst liegt darin, dass sie den Begriff der Energie entmystifizieren und in Worten formulieren, die mit einem naturwissenschaftlich-technisch geprägten Weltbild verstanden werden können.

Kirlianphotographie – eine Brücke zur heutigen Zeit?

Die Entwicklung der Kirlianphotographie seit 1939 ist eine der Früchte der Arbeiten in Russland. Dies ist eine Art der Photographie, die es möglich macht, das Energiefeld von Menschen, Tieren und lebenden Pflanzen auf einem Bild oder Monitor farblich als Lichtstrahlen sichtbar zu machen – hierbei handelt es sich nicht um die Wärmeausstrahlung.

Ein Beispiel aus den Experimenten: Ein gesundes Blatt wird photographiert und das Energiefeld wird sichtbar – als eine Kontur von Lichtstrahlen in alle Richtungen um das Blatt herum. Anschließend schneidet man ein Drittel des Blattes weg und wiederholt die P hotographie, mit dem Ergebnis, dass das Energiefeld des ganzen Blattes immer noch vorhanden ist – in derselben Kontur, wie auf dem ersten Bild. Erst als man mehr als ein Drittel entfernt, stirbt das Blatt und der Energiekörper verschwindet.

„Alle Aktivitäten des inneren Lebens des Menschen werden in Licht-Hyroglyphen niedergeschrieben‟ (Semyon Kirlian, Erfinder der Kirlianphotographie).

Durch die Kirlianphotographie kann man Lücken in bestimmten Teilen des Energiekörpers /-feldes sehen und dadurch Diagnosen auf bestimmte Krankheiten stellen. Verschiedene Zustände, entstanden durch Gefühle und Gedanken und im Gegensatz dazu Zustände, die in Meditation und Entspannung entstehen, sind als Veränderungen des Energiefeldes sichtbar zu registrieren.

Andere Kulturen

Die Kenntnis von psychischer Energie, die man steuern kann, einer Lebensenergie oder kosmischen Energie, von der der Mensch ein Teil ist, liegt fest verwurzelt in vielen alten Traditionen/Kulturen.

In China wird die Energie Chi genannt oder in Polynesien Mana. In Indien – einem Land, in dem es zu allen Zeiten Toleranz und Respekt für Menschen gab, die mit sich selbst arbeiten und die spirituelle Dimension des Lebens suchen – spricht man von Prana. In den letzten Jahren ist bei uns das Interesse an ursprünglichen Kulturen gewachsen. Doch sollte man sich vor dem Missverständnis hüten, dass es hier um exotische Philosophien gehe, die es auswendig zu lernen gilt oder an die man zu glauben hat. Es sind keine theoretischen Konzepte, sondern praktische Methoden, die man anwenden kann, um körperlich und geistig gesund zu bleiben. Sie wurden seit Jahrtausenden unverändert überliefert und wir haben heute die Möglichkeit von ihnen profitieren zu können.

Akupunktur

In der chinesischen oder japanischen Tradition findet man Heilsysteme wie Akupunktur, Shiatsu oder Reiki. Sie alle basieren auf einem präzise festgelegten Netzwerk von Energieströmen (Meridianen), in dem die Lebensenergie Chi oder Ki fließt. Vereinfacht kann man sagen, dass hier durch das Stimulieren bestimmter Energiepunkte fehlerhafte Energieverteilung korrigiert wird und dass auf diese Weise Ursachen für Krankheiten oder Schmerzen beseitigt werden. Eine Behandlung erfolgt durch Punktmassage oder durch das Setzen von Nadeln. Selbst wenn die bisherigen Erklärungen der Schulmedizin hierfür nicht ausreichen, so bestreitet kein ernst zunehmender Mediziner länger die Funktionsfähigkeit dieser Methoden.

Prana

Ist der Name, der in der indischen Yogatradition für die kosmische Lebensenergie gebraucht wird. Genau wie in der Akupunktur gibt es auch hier ein Netzwerk von Energieströmen (Nadis), die über den Körper verteilt verlaufen und in denen Prana fließt. Funktion und Verlauf der Nadis sind in den alten Yogaschriften detailliert beschrieben, (siehe obenstehendes Bild) aber dies ist vor allem in der lebenden Yogatradition in praktischem Gebrauch. Theoretisches Studieren der Schriften reicht nicht aus um eine Erfahrung davon zu bekommen – nur wer die Yogamethoden praktiziert, wird wirklich verstehen können, was mit den alten Anweisungen gemeint ist.

Es gibt verschiedene Typen von Methoden, die einen Einfluss auf den Strom der Energie haben: Asana (Yogastellungen), Pranayama (Atemübungen), Mudras und Bhandas (Haltungen und Verschlüsse). Dies sind Methoden die stufenweise tiefer gehen – von Reinigung bis hin zu Kontrolle der Energie. Dies führt zu stabiler Gesundheit und klaren Zuständen. Wir haben früher ausführlich beschrieben, wie Asana den Fluss von Prana regulieren.

Wenn eine ausreichende Balance durch diese Methoden erreicht ist, kann man auch fortgeschrittenere Techniken wie zum Beispiel Prana Vidya anwenden. Dies ist eine Heilmethode aus der tantrischen Tradition, bei der man die psychische Energie kanalisiert. Die Energie wird dorthin geleitet, wo Bedarf dafür besteht – in kranke Bereiche des eigenen Körpers oder auch zu anderen Personen, sogar auf Distanz.

Dasselbe Prinzip, mit Energie zu heilen, wird auch in der Medizin verwandt: Zu meiner Zeit an der Sporthochschule in Köln wurden bei verschiedenen Sportverletzungen wie Bänderdehnungen oder gebrochenen Beinen Elektroden angesetzt. Der verletzte Bereich wurde so mit Hilfe von Schwachstrom stimuliert und mit Energie versorgt. So auch in einem Krankenhaus in Syracuse im Staate New York, in dem man mit Hilfe von Kupferdraht, gewunden um erkrankte Gliedmaßen, Schwachstrom in die betroffenen Bereiche leitet und so den Heilungsprozess erheblich beschleunigt.

Hat man einmal gelernt, psychische Energie hierzu einzusetzen, kann dies eine sehr kraftvolle und gleichzeitig weitaus subtilere Methode sein.

Energie ist Leben – eine andere Sicht vom Menschen?

In den Intensivstationen der Krankenhäuser ist es durch Apparate möglich, die mechanischen Lebensfunktionen eines Menschen nahezu unbegrenzt aufrecht zu erhalten. Die Euthanasiediskussion unserer Tage zeigt deutlich, dass man hier in einen Grenzbereich vorgestoßen ist – wann ist ein Mensch eigentlich am Leben? Noch in unserem Jahrhundert wurde der Tod erklärt, wenn Herz- und Atemstillstand eingetreten war. Man horchte auf den Herzschlag und kontrollierte mit einem Spiegel vor den Nasenlöchern – schlug sich kein Kondenswasser nieder, war der Patient gestorben.

In den heutigen Gesetzen, so wie sie in Europa und Skandinavien angewandt werden, ist definiert, dass ein Mensch lebendig ist, solange noch elektrische Aktivität im Gehirn messbar ist – mit anderen Worten, solange Energie im Körper vorhanden ist. Das Herz kann vorübergehend stehen bleiben, der Atem kann stehen bleiben, wenn aber keine Energie mehr vorhanden ist, ist das Leben aus dem Körper gewichen. Gemäß unseren Gesetzen ist der Mensch also ein Wesen, das durch Energie gesteuert wird. Eine Entdeckung, die wir nun langsam in unser Weltbild integrieren.

Siehe auch:

– Die Meditation Quelle der Energie (das kleine Kriya Yoga),

– Yoga und die feinere Energie,

– Kriya Yoga