Übungsleiter oder Yogalehrer?


Zur Zeit wird daran gearbeitet, bestimmte Yogalehrerausbildungen in Europa zu koordinieren mit dem Ziel, die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Dies ist ein spannender Prozess, der eine solide Grundlage für die jetzigen und zukünftigen Lehrer geben kann. Aus diesem Anlass präsentieren wir die Yogalehrerausbildung, so wie sie an der Skandinavischen Yoga und Meditationsschule, seit dem Beginn im Jahr 1970, Gestalt angenommen hat.

Als Lehrerin für Yoga und Meditation erlebe ich mich selbst als ein Werkzeug – eine Vermittlerin, die in unserer Zeit ein uraltes Wissen vom Menschen als ein Wesen aus Körper, Geist, Energie und Bewusstsein weitergibt. Ich trage dazu bei, dieses Wissen zu überliefern – so wie viele es im Laufe der Zeit getan haben und wie es viele vermutlich auch zukünftig tun werden.

slangoknive001Yoga und Meditation sind ein menschliches Erbe, eine wertvolle Gabe, die keinem von uns gehören. Unsere Aufgabe als Lehrer ist es, dieses Erbe zu verwalten – die Menschen, die dies wünschen zu unterrichten, und neue Lehrer auszubilden. Hier haben wir eine Verantwortung, sowohl unserer eigenen wie auch kommenden Generationen gegenüber.

In einer Vielzahl von alten Kulturen der Erde kann man deutliche Spuren von Yoga finden, doch nur in Asien und speziell in Indien wird die tantrische Tradition in ihrer Ganzheit ununterbrochen bis in unsere Tage von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Von dieser reichen Tradition ausgehend arbeitet die Skandinavische Yoga und Meditationsschule.

In unserer Zeit weckt Yoga großes Interesse und wird überall auf der Welt angewandt – in vielen Ländern wächst das Interesse beständig. Da kommt es vor, dass Lehrer zu schnell und oberflächlich ausgebildet werden oder ohne jegliche Ausbildung unterrichten. Hiermit erweist man niemandem einen Gefallen, im Gegenteil. Wenn der Unterricht nicht die Ergebnisse hat, die er haben soll, riskieren wir, dass die Menschen das Interesse verlieren und nicht das erhalten, was sie eigentlich mit Recht erwarten dürfen.

Welchen Hintergrund braucht man als Yogalehrer? Was ist nötig, um das Feuer lebendig zu halten? Um anderen mit Yoga und Meditation ein praktisches und wirksames Werkzeug in ihrem Leben geben zu können, braucht man soliden Boden unter den Füßen, sowohl was Erfahrung wie auch Wissen angeht.

Der Therapeut, der andere zu psychischen Höhen und Tiefen führen will, muss selbst diese Höhen und Tiefen in seiner Psyche erreichen können. Heutige Psychotherapeuten müssen anfangen, sich selbst darin zu schulen, durch ihre eigene Psyche auf und ab zu steigen und so die Vielfalt der Bereiche zu erleben, aus denen der Mensch besteht, gleichermaßen wie die treibende Kraft hinter dem Menschenleben.“ (R. Desoille)

Dies gilt nicht zuletzt für den Yogalehrer. Ist die persönliche Erfahrung zu gering, begrenzt dies den Unterricht, und manchmal wird Yoga zu etwas völlig anderem gemacht.

Yogamöbel und Zubehör

Eine Frau, die Yoga in den USA gemacht hatte, kam zu Beginn des Sommers in unsere Schule in Stockholm. Sie wollte so schnell wie möglich einen Kurs beginnen, da sie Yoga „zu Hause nicht ausführen könne“. Warum nicht, wunderte ich mich? „ Bei uns verwendeten wir verschiedene Geräte und Yogamöbel bei den Übungen und die fehlen mir ja hier.

Wie weit kann man sich vom Ursprung entfernen? Ist man nicht zu weit gegangen, wenn man abhängig wird von Zubehör, Möbeln und Kissen? Das einzige, was man braucht, um Yoga ausüben zu können, ist eine Decke oder irgendeine andere Unterlage und vielleicht eine Nasenspülungskanne.

Lass dich nicht von der Reklame hinters Licht führen. Geräte sind nicht nur unnötig, im schlimmsten Fall verschlechtern sie die Wirkungen von Yoga. Ein Mann in Kanada schlägt wohl alles, indem er behauptet, man erreiche Samadhi, indem man auf dem von ihm verkauften „Samadhikissen“ sitzt.

Yogamöbel begrenzen die Bewegungsfreiheit, und die Übungen geben nicht länger die beabsichtigte Wirkung auf die Muskeln und Bänder, die inneren Organe und die psychische Energie des Körpers. Bei mangelnder Anleitung können Yogamöbel sogar ernsthafte Schäden verursachen. Ärzte in Washington stellten kürzlich fest, dass ein Großteil der Schäden mit denen die Leute ins Krankenhaus kommen, durch die Anwendung von Trainingsgeräten im allgemeinen entstehen.

Die Yogatradition

Wenn man Wasser finden will, gräbt man ein tiefes Loch, nicht viele kleine. In der ursprünglichen Tradition lebte der Schüler mindestens zwölf Jahre unter den Anweisungen des Lehrers im Ashram, bevor er als selbständig betrachtet wurde. Wenn man seinen Lehrer gefunden hatte, blieb man dort. Das beseitigt Rastlosigkeit und Eingebildetsein; das Wesentliche tritt hervor. Man wird still und bekommt Ruhe, um die Techniken und Methoden des Yoga zu erforschen, und man reift durch die Erfahrung.

Zu unterrichten ist wertvoll für die eigene Entwicklung, aber es bedarf ebenso Inspiration und Feedback von Kollegen und Personen mit größerer Erfahrung als man selbst.

Swami Satyananda sagte einmal „ Mit dem Unterrichten ist es wie mit Rosen“ – sie sind schön und riechen gut, aber sie haben auch Dornen. Für alle, die einen Beruf haben, in dem man mit Menschen arbeitet, insbesondere für Yogalehrer, ist es wichtig, Eindrücke und Einflüsse, die man bekommt, loszulassen und immer wieder zur Harmonie zurückzukehren. Auf diese Weise kann man erleben, ohne von Zuständen und Vorstellungen gefärbt zu werden. Dann ist man neutral gegenüber seinen Schülern; dies gibt ihnen die Freiheit, sie selbst zu sein – und der Unterricht bleibt lebendig.

Nicht ‚lernen‘ – sondern leben bei allem was du tust, und durch das Leben lernen.“ (Swami Janakananda)

Ein Brief über den „Lotusstuhl“ von einer Kursteilnehmerin aus Oslo:

„Der Lotusstuhl wurde auf einer Alternativmesse im November in Oslo ausgestellt. Es gab niemanden in der Nähe und auch keine Gebrauchsanweisung. Mir war nicht klar, wie der Stuhl anzuwenden sei, und aus Neugier probierte ich ihn aus. Ich setzte mich in der Halblotusstellung in den Stuhl. Da knackte es in meinem Knie, und das Gesäß sank nach unten. Ich dachte, etwas falsch gemacht zu haben, und wechselte mit den Beinen, aber der Schaden war bereits geschehen. In wenigen Sekunden zerstörte ich meine Knie. Der Schmerz nahm in den nächsten Tagen zu. Jetzt nach Arztbesuch, Röntgenaufnahmen und Krankengymnast kann ich gehen. Aber ich kann nicht länger in der Halblotus- oder Lotusstellung sitzen. Ich wünschte, sie hätten dem Stuhl einen anderen Namen gegeben, und ich wünschte, dass ich geahnt hätte, wie gefährlich ‚Yoga-Krücken‘ sein können. In dem ‚Lotusstuhl‘ kann man nicht im Halblotus oder Lotus sitzen. Wozu er berechnet ist, weiß ich nicht, aber er ist nicht für Menschen, die in einer Meditationsstellung sitzen können. Vielleicht sollte ich jetzt einen bestellen.“ (Suzanne Lasher)