Tantra und Yoga Nidra

Das Wissen über die Methoden hinter den tantrischen Ritualen, die Yoga Nidra, die große yogische Entspannungstechnik,  so wirkungsvoll machen. Über Nyasa, Chakra, Bewusstsein und die Entschlussfassung in Yoga Nidra.


„Im Augenblick des Einschlafens, wenn der Schlaf noch nicht gekommen ist, und das Bewusstsein des Äußeren schwindet, an diesem Punkt wird Sein erlebt.”  (Vigyana Bhairava Tantra)

Das obige Zitat aus diesem mehr als 4000 Jahre alten Text beschreibt eine Erfahrung in Yoga Nidra.

Tantra ist eine zeitlose Tradition mit Methoden zur Bewusstwerdung des Menschen. Das Wort Tantra bedeutet eigentlich erweitern – das Bewusstsein, das Wissen vom Leben – und befreien – sich selbst.

Meditieren oder Philosophieren

Die ,echten Tantriker verwenden Methoden – sie handeln und erfahren. Sie philosophieren nicht und sind nicht geneigt überhaupt etwas aufzuschreiben. Wenn einige es dennoch tun, so tun Sie es ausschließlich mit der Absicht, andere zu inspirieren selbst etwas zu machen, zu meditieren zum Beispiel, anstatt zu ‚philosophieren’.

Nicht jeder versteht, was es heißt, den Weg der Selbstverwirklichung zu gehen. Für den Lehrer gilt es, diejenigen zu unterrichten, die empfänglich sind und das Gelernte wirklich anwenden wollen, aber sein Wissen vor denjenigen zu verbergen, die nur neugierig oder sensationsgierig sind – die nur schnell etwas probieren möchten, um dann weiterzueilen zum Nächsten.

Geheimschrift in Tantra und anderswo

Vieles, was wir in Tantra finden, ist deshalb geheim. Entweder wurde es nicht aufgeschrieben oder nachdem die Schrift in die Kultur eingeführt worden war, wurde es in einer Geheimsprache geschrieben, die in Sanskrit Sandhabhasa genannt wurde.

Diese Geheimsprache oder Umschreibungen konnten wie unschuldige Geschichten aussehen, und waren dennoch nicht immer unschuldig. Sie konnten auch einen pornographischen Inhalt haben, um den Leser zu verschrecken oder zu faszinieren. So wurde der Betreffende nicht des verborgenen Inhalts des Textes gewahr. Die wirklichen Praktiken waren, wenn sie überhaupt aufgeschrieben worden waren, in den Ritualen, religiösen und sexuellen Texten versteckt oder hinter Namen und Zahlen, die mit anderen Worten ausgetauscht werden sollten. Sie konnten nur von demjenigen verstanden werden, der schon einen Schritt in die Einweihung getan hatte – aber sogar dann verblieben die Methoden, die in den Schriften beschrieben wurden, Andeutungen im Verhältnis zu der Wegleitung, die man direkt von einem anderen Menschen empfängt, z. B. Anleitungen in fortgeschrittener Meditation.

Geheimsprachen waren nicht nur ein indisches Phänomen. Es gab sie u. a. auch im alten Island, wo es Launmál genannt wurde. Es bedeutete, dass hinter einer Geschichte eine andere Geschichte versteckt worden war, eine Einweihung, eine Praxis.

Der Schüler wird geprüft

Der Schüler bekommt über eine längere Zeit verschiedene Aufgaben, um sicherzustellen, dass seine Einstellung offen und empfänglich ist. Es gilt zu wissen, ob der Schüler die Intentionen und Handlungen des Lehrers falsch deuten will und ob der Betreffende wirklich mit Angst und mit Gewohnheitsdenken über seine eigenen Begrenzungen aufräumen will.

Des Weiteren soll der Schüler stufenweise durch verschiedene leichtere Praktiken vorbereitet werden, und vor allem wird seine Geduld auf die Probe gestellt. All das kann durch ein tägliches Zusammenleben im Ashram oder zu Hause beim Lehrer stattfinden.

Mein Lehrer Paramahansa Satyananda war 12 Jahre bei seinem Lehrer Swami Sivananda in Rishikesh. Er machte hauptsächlich Karma Yoga, der aus vielen unterschiedlichen praktischen Aufgaben in der Verwaltung  und der Druckerei des Ashrams bestand.

Später bereiste er ganz Indien als wandernder Mönch. In einer Periode seiner Wanderjahre bekam er die Möglichkeit, sich zurückzuziehen und die Methoden, die er durch den täglichen Umgang mit Swami Sivananda gelernt hatte, zu verwenden. Swami Sivananda hatte ihn auch auf die Fährte von Praktiken in der Yoga- und Tantratradition geführt, die er während seiner Wanderungen finden, hervorbringen, untersuchen und praktizieren konnte – danach war er bereit selbst zu unterrichten.

Der Lehrer Swami Satyananda Saraswati

Swami Satyananda war ein außergewöhnlicher Lehrer – kein anderer hat die tantrischen Praktiken so verdeutlicht wie er. Diese waren bereits seit 1963 Teil seines Unterrichts, u. a. die Tiefenentspannung Yoga Nidra. Ich lernte schon 1968 verschiedene Yoga-Nidra-Varianten direkt von Swami Satyananda. Aus dem Mittelalter Indiens finden wir genaue Beschreibungen vom Inhalt Yoga Nidras. Er war wie gesagt mehr oder weniger geheim, und wie man ihn verwenden sollte, war nicht ganz deutlich. Swami Satyananda aber verstand es, diese Techniken aus ihren Verstecken zu holen und sie uns durch seinen Unterricht als verwendbare Methoden zugänglich zu machen.

Theorie oder Praxis

Es ist meine Erfahrung, dass je mehr man z. B. von der Meditation in der Theorie spricht, oder darüber liest, anstatt sie in der Praxis auszuführen, desto weniger glaubt der Geist es nötig zu haben, sie zu verwenden, man ,kennt es ja schon. Das Problem ist nur, dass Wissen allein überhaupt keine Wirkung hat. Der Körper und der Geist haben keine Freude daran, zu ,wissen, wenn die Übungen nicht angewandt werden.

Vor einigen Jahren erlebte ich etwas Interessantes während eines einmonatigen Kriya Yoga Retreats, das ich abhielt. Hier kommen Teilnehmer, um den großen Kriya Yoga unter Schweigen zu lernen. Sie sind auf früheren Kursen mit verschiedenen Yoga- und Meditationsmethoden und einer gewissen Menge Theorie darauf vorbereitet worden. Abgesehen von etwas Reden am Anfang des Kurses, hatte ich das Bedürfnis, sie nur meditieren und Yoga machen zu lassen und sie überhaupt nur mit praktischen Dingen zu beschäftigen. Ich hatte also keine Lust, Vorträge in dieser Periode zu halten und es stimmte mit ihrem Schweigen überein – weil sie nichts sagten, schrieben oder lasen. Das Schweigen hilft, die tiefer liegenden Spannungen zu entfernen, unterstützt eine gute Balance im Gehirn und stärkt das Vermögen zu erleben.

Als etwa die Hälfte der Schweigeperiode um war, bekam ich dennoch das Bedürfnis, einige Sachen klar zu machen und ein bisschen in der Theorie zu erläutern, wie man automatische Reaktionen und Gewohnheiten im Nervensystem und im Geist loslassen kann. Der Vortrag, den ich am Abend hielt, war sicher anregend für die Teilnehmer und auch für mich.

Am Morgen nach dem Vortrag hatten die Teilnehmer Unterricht im physischen Yoga mit einem anderen Lehrer. Nach der Klasse erzählte der Lehrer mir, dass sie heute früh weniger wach und konzentriert waren als an den anderen Morgen. Die Teilnehmer haben da gesessen und fast geträumt und es schien, als müssten sie sich zusammennehmen, um den Anleitungen zu folgen. Das geschah nur an diesem einen Morgen auf dem Retreat, ansonsten waren sie sehr aufmerksam.

Als die Schweigeperiode vorbei war, fragte ich die Teilnehmer, ob sie sich daran erinnern konnten, wie es ihnen am Morgen nach dem Vortrag ging. Ich bekam schnell eine Erklärung von einem von ihnen, und die anderen waren sich mit ihnen einig. Sie sagten, dass die interessanten Dinge, die sie am Abend vorher gehört hatten, ihren Kopf in dem Maße füllten, dass der Geist meinte, der Körper brauche keine Übungen zu machen. Das schien nicht nötig, man wusste ja alles im voraus.

Vorstellung oder Erfahrung

Was ist eine Theorie wert, die sich nicht auf eigene Erfahrung gründet? Wenn die Theorie vor der Praxis kommt, wird der Intellekt das Erleben mit Erwartungen und Anstrengung blockieren, was in eine verkehrte Richtung leiten kann, oder auch mit einem Eingebildetsein, das die nötige Offenheit verhindern kann, eine Anleitung, z. B. für eine Meditation, empfangen und ihr folgen zu können. Dies kann der Sensitivität und dem Vermögen, das zu erleben, was nicht niedergeschrieben werden kann, im Wege stehen.

Das Ganze wird leicht zur Indoktrination. Man glaubt zu wissen wie es ist, anstatt es selbst zu erfahren. Meinungen und Vorstellungen werden etwas, das man auswendig lernt und woran man sich klammert, das man glaubt und verteidigt, obgleich sie nicht auf persönlicher Einsicht und Erfahrung aus erster Hand basieren.

Nimm ein Wort wie Meditation. Sie ist in weiten Kreisen zu einer Vorstellung geworden. Der Geist kann sich über Meditation alles mögliche ausdenken und sich das Eigentliche entgehen lassen. „Oh, aber ich habe ja meine eigene Meditation” und so sitzt man da und träumt ein bisschen. Nie verlässt man die Begrenzungen des Geistes. Ja, man kommt vielleicht sogar darauf, aus solchen Vorstellungen heraus zu unterrichten. Es gibt die, die sagen, dass sie Antwort auf alles mögliche in ihren Meditationen bekommen. Das ist sicher richtig, aber ach, sie lassen den Geist nie in Ruhe.

Entspannung

Das Wort Entspannung wird heute für alles mögliche verwendet, von Hypnose bis zu Musik.

Schon in den 1970er Jahren, als ich eine Kassette mit Yoga Nidra veröffentlichte, habe ich das Problem mit diesen Bezeichnungen erkannt. Ich wollte verdeutlichen, worum es ging und nannte sie Tiefenentspannung. Es vergingen nur wenige Monate und der Begriff wurde für alle möglichen und unmöglichen Entspannungen verwendet.

So auch der Name Yoga Nidra. Leider wird er auch für Entspannungen gebraucht, die nichts mit der ursprünglichen, effektiven Technik zu tun haben, die der tantrischen Tradition entspringt. Was hat man von einer Meditation, die keine bemerkbare Energie und Lebenslust im Alltäglichen gibt; und von einer Entspannung, wenn nicht Klarheit, Überblick und Ruhe daraus folgen?

Meditation ist eine Pause von allen Eindrücken, ein Mittel den Geist zu entleeren. Aber darüber hinaus ist Meditation auch eine Suche nach der eigentlichen Identität, dem eigenen Mittelpunkt, und hier werden Methoden erfordert, die gewährleisten, dass man sich nicht selbst betrügt, sondern wirklich sein Innerstes erreicht.

Das Ritual oder der Verlauf in der Meditation hilft, die Begrenzungen des Geistes zu umgehen

Klassische Meditation aus der tantrischen Tradition zeigt diese Alternative. Das tantrische Ritual besteht aus Methoden, die die ganze Zeit den Geist fesseln und so können die Gedanken machen, was sie wollen und im Hintergrund vorbeitreiben. Es gibt keinen Grund, sie zu bekämpfen, man hat anderes zu tun. Und sollte man für einen Augenblick von einem Gedanken fortgetragen werden, so braucht man es ja nur einzusehen, sich daran zu erinnern, womit man beschäftigt war und zur Praxis zurückkehren.

Kriya Yoga ist ein Beispiel dafür. Mit Methoden, die die Energieströme im Körper öffnen und reinigen, wird das Energieniveau gehoben und eine Vertiefung geschaffen, die unabhängig von Anstrengungen, Erwartungen und Ideen des Geistes ist.

In Yoga Nidra versucht man nicht zu entspannen, man beschäftigt den Geist mit den entsprechenden Methoden und die Entspannung wird ausgelöst, sie kommt von selbst.

Wie lange kann man sich z. B. auf seinen Daumen konzentrieren? Eine Sekunde? Zwei? Der Geist will weiter zu etwas anderem. Deswegen kommt man der Rastlosigkeit des Geistes entgegen und zieht das Bewusstsein zum Zeigefinger, usw.

Man hält den Geist auf eine Weise beschäftigt, damit er keine Zeit zu etwas anderem hat, so kann er nicht an den Spannungen festhalten.

Der Zweck des sexuellen Rituals

„Während du liebkost wirst, süße Prinzessin, gehe ein in die Zärtlichkeiten als in ewig währendes Leben.”

(Zitate: Vigyana Bhairava Tantra)

Die berühmten oder berüchtigten sexuellen Rituale (von denen ich eine Variation in meinem Buch Yoga, Tantra und Meditation im Alltag beschrieben habe) sind ein gutes Beispiel dafür, dass die tantrischen Rituale und Praktiken einen anderen Zweck haben, als die Menschen normalerweise glauben.

Man meint vielleicht, dass das Ritual eine ausgezeichnete Therapie für Menschen mit sexuellen Problemen ist oder dass es hilft, eine größere sexuelle Freiheit zu schaffen, dass es den sexuellen Genuss stärkt. Ja, sicher kann es das – aber der Zweck ist ein anderer.

„Wenn ihr euch im Akt vereinigt, seid bewusst auf das Feuer am Anfang, und indem ihr so fortfahrt, vermeidet die sterbende Glut am Ende.”

Es geht darum, den Geist festzuhalten, und hier ist der Geschlechtstrieb gut geeignet und stark.

„Wenn mitten in der Umarmung deine Sinne wie Laub geschüttelt werden, werde eins mit diesem Schütteln.”

Wenn du durch all die verschiedenen Praktiken – außer Baden, Mahlzeit usw. – die sonst zum Ritual gehören, vorbereitet bist, dann wird das gewünschte Resultat unvermeidlich sein.

„Sogar durch die Erinnerung an die Vereinigung,
ohne Umarmung,
wirst du transformiert.”

Der Zweck ist, das Bewusstsein zu erweitern und die Energie zu stärken.

Eine zeitlose und lebende Tradition

Jeder, der sich als geeignet und empfänglich zeigt, kann an dem tantrischen Wissen teilhaben. Ein Wissen, das so umfangreich ist, dass man die tantrischen Methoden mit der heutigen Wissenschaft vergleichen kann. Tantra enthält, außer den Methoden zur Erweiterung, Erhöhung und Befreiung des menschlichen Bewusstseins, auch Mathematik, Astronomie, Heilmethoden und Kunst höchster Qualität. Man kann sagen, dass die Tantratradition alle erdenkbaren Mittel enthält, um dem Menschen durch das Leben zu helfen – und sich selbst zu meistern.

Heute ist es leider in Mode gekommen, Tantra eingeschränkt auf die sexuellen Rituale zu betrachten. Sie sind natürlich Teil der Tradition, wie es auch Menschen gibt, die Freude daran haben – aber sie sind nur ein Teil der reichen tantrischen Tradition.

Ungestörtes Erleben

„Für den Sinn des Lebens
sorgt das Leben
genau so lange
bis wir fragen
(Kurzgedicht von Piet Hein)

Der Geist kann sich was auch immer vorstellen, sowohl zu viel als zu wenig, und er liebt es, mit Gegen-argumenten zu kommen, er liebt es zu diskutieren. Du kannst alles mögliche beweisen, und du kannst dasselbe ebenso gut widerlegen. Aber du brauchst die Aktivität deines Geistes nicht deine Meditation unterbrechen zu lassen. Akzeptiere die Aktivität deines Geistes – und kümmere dich nicht darum. Kehre immer wieder zur Praxis zurück.

Wenn du wagst, direkt zu empfangen – wenn du weder sensationelle ,Erlebnisse erwartest, noch auf einer Antwort auf alles bestehst – so kannst du in die Transformation eintreten. Die Methoden sind geheim, bis man bereit ist, sie zu verwenden. Man lernt Kriya Yoga unter Schweigen.

Dass man die Methoden den Uneingeweihten nicht geben will, hat Tantra mit den Druiden der Kelten (für die es ein direktes Verbot war, über das was sie lernten, etwas aufzuschreiben), mit den ägyptischen Eingeweihten und teils mit der Urbevölkerung (Aboriginies), die in der Wüste im zentralen Australien lebt, gemeinsam. Im Gegensatz zu der Elite der Kelten und Ägypter, war und ist Tantra jedoch äußerst volkstümlich.

Tantras Schätze sind nicht nur einer gelehrten Gesellschaftsklasse vorbehalten, sie sind zugleich eine lebende Tradition in den Dörfern, wo Wissen und Erfahrung von Mensch zu Mensch durch Generationen weitergegeben wird.

Die Einweihungen basieren auf einem ununterbrochenen Prozess der Transformation. In einem veränderten Zustand durschaust du deine bisherigen Begrenzungen. Die Einweihung ist in dem Sinn ein Ritual, dass dein Geist ständig beschäftigt wird, bis er loslässt und sich für neue Einsichten und Möglichkeiten öffnet. Yoga Nidra ist so ein Ritual:

Nyasa

Eine bestimte Gruppe von Methoden und Praktiken, die in den tantrischen Ritualen verwendet werden, ist ein wesentlicher Teil der Entspannung. Ihr Zweck ist, den Körper- und Bewusstseinszustand so zu verändern, dass er gegenwärtig, erlebend und empfindlich gegenüber dem wird, was weiter in Ritual oder Meditation geschieht. Sie werden unter einem Namen zusammengefasst: Nyasa.

Bedeutung des Wortes Nyasa nach dem Oxford Sanskrit English Dictionary ist:

„anbringen, auf- oder einsetzen, verwenden, berühren, u.a.”

Was man berührt, sind zunächst die unterschiedlichen Teile des Körpers – was man anbringt, ist z. B. ein Mantra an den betreffenden Stellen.

Es verdient Beachtung, dass Nyasa ferner als (tantrische) Praxis in dem genannten Wörterbuch so definiert wird:

„Geistige Weihe oder Zuweisung der unterschiedlichen Teile des Körpers an Schutzgeister (oder Gottheiten).”

Diese Definition ist, soweit ich sehen kann, korrekt genug, aber da sie allein steht, ist sie zu eingegrenzt. Man könnte genauso gut behaupten, dass die ganze heutige Wissenschaft Religion ist, weil Theologie weiterhin unter die Wissenschaften gezählt wird.

Es hängt scheinbar davon ab, wer sein ,Wissen den Lexika liefert. Dafür sind die unterschiedlichen und von Zeit zu Zeit äußerst merkwürdigen oder einschränkenden Definitionen von Yoga und Tantra ein deutliches Beispiel.

Der Zweck, Nyasa im tantrischen Yoga zu verwenden, ist Bewusstmachung. Dies in Erinnerung möchte ich Agehanda Bharatis Definition zitieren:

Wörtlich bedeutet Nyasa das Verfahren, in dem durch Berührung ein Teil des Körpers oder ein Organ des lebenden Körpers eines anderen mit einer besonderen Kraft vitalisiert wird.

Er fährt fort:

„Zum Beispiel, beim Anbringen des Feuermudra [einer Weise, bei der Berührung die Finger zu halten] ans Herzgebiet und das Feuermantra ,RAM aussprechend, wird das Herz des Adepten in kosmisches Feuer verwandelt …

Homunculus und GehirnDer kleine Mensch (motor homunculus) zeigt, mit welchem Teil im Gehirn die verschiedenen Körperteile verbunden sind, dem gezeigten Band entlang über die Hirnrinde.

 

 

 

 

 Nyasa kann also daraus bestehen, die unterschiedlichen Teile des Körpers mit der Hand zu ,berühren. Man kann es selbst tun oder es wird vom  Partner oder Lehrer ausgeführt. Man kann es auch mental machen, indem man an die betreffenden Stellen denkt und ihren Namen nennt – das geschieht z. B. durch die Anleitung des Lehrers in Yoga Nidra.

Nyasa bedeutet auch, ein Mantra (Laute, Silben oder Zusammensetzungen daraus, ein Merkvers) auf verschiedene Körperteile ,anzubringen. Dies wird mental gemacht oder indem man das Mantra laut ausspricht.

Man kann diese Dinge kombinieren. Während man den eigenen Körper oder den eines Partners berührt, spricht man das Mantra der betreffenden Stellen aus.

Die Buchstaben des Sanskrit-Alphabets, wie auch die Runen zu ihrer Zeit im Norden, dienen nicht nur zur Bildung der Worte. Der Laut eines jeden Buchstaben besitzt eine ihm innewohnende Kraft, eine Vibration, und dies bildet die Grundlage für die Mantra-Wissenschaft. In einer Form von Nyasa werden die Buchstaben des Sanskrit-Alphabets über den ganzen Körper verteilt, dies wird Matrika Nyasa genannt:

Matrika Nyasa


„Matrika ist die Quelle aller Mantras, der Ursprung aller Wissenschaften und der Boden, aus dem alle Prinzipien, alle Weisheiten und alles Wissen geboren worden sind.
(Laksmi Tantra)

Matrika Nyasa ist eine andere Form von Nyasa als das, welches man in Yoga Nidra verwendet. Aber wenn du das tiefe Yoga Nidra erlebt hast, wirst du Ähnlichkeiten zwischen einem der großen Abschnitte in Yoga Nidra und Matrika Nyasa sehen können.

Die Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther (Raum) spielen auch eine Rolle in Nyasa. Der Körper wird in fünf Bereiche aufgeteilt, jeder mit seinem Element.

Und wie gesagt, so können der Körper und seine verschiedenen Teile einem oder mehreren Schutzgeistern, ja, sogar Planeten oder heiligen Stätten gewidmet werden. Den Namen des Geistes oder Gottes, des Planeten, der Stätte oder der Elemente findet sich im Vers des Mantra wieder, das man aufsagt oder mental wiederholt.

Nyasa wird natürlich verwendet, weil es eine Wirkung auf Körper und Geist hat, und nicht als ein leeres Ritual. Nyasa ist mit Shiatsu und Akupunktur verwandt und vielleicht einmal deren Vorgänger gewesen. Aber wenn die zwei anderen Methoden den Ausgangspunkt im physischen Körper und seinen Energiepunkten haben, und hauptsächlich zur Heilung verwendet werden, so umfasst Nyasa mehr als das, indem es auch Methoden zur ,Berührung und Erweckung vieler Dimensionen des Geistes, u. a. durch die psychischen Chakra, beinhaltet.

Das lange und tiefe Yoga Nidra baut auf einfachen und vielleicht gerade deshalb sehr wirksamen Variationen von Nyasa, vom Anfang bis zum Schluss auf.

Die Dimensionen

Wenn du einmal still auf dem Rücken gelegen und den Instruktionen des tiefen Yoga Nidra gefolgt bist, weißt du, wie man durch alle Körperteile wandert; Schwere und Leichtigkeit, Wärme und Kälte, Schmerz und Freude erlebt, und wie man auf verschiedene Weise mit den Chakra Kontakt aufnimmt und bestimmte Symbole, Landschaften, Bilder, u. a. erlebt.

Ein Mensch besteht aus mehreren Dimensionen. Im Alltag sind wir mit Körper, Atmung, Gedanken, Gefühlen, Stimmungen, mit Wachzustand, Traum und Schlaf vertraut. Aber es gibt andere Dimensionen und Zustände wie Meditation, Schamanenzustände, Hypnose, Rausch … Die verschiedenen Dimensionen des Menschen werden von unterschiedlichen Voraussetzungen her beschrieben. Jung und Freud haben Begriffe wie das Bewusste, das Unterbewusste, das Unbewusste und Libido eingeführt. In der europäischen mystischen Tradition gibt es Begriffe, die zum Teil mit denen anderer Kulturen übereinstimmen: der physische Körper, Körperflüssigkeiten (wie in Ajur Veda), Vitalenergie (Prana im Yoga), der astrale Körper und der kausale Körper. Ebenso gibt es auch in Europa einen Begriff wie „Glückseligkeit” (intensive und unabhängige Freude – Ananda).

In den Upanishaden finden wir folgende Beschreibung über die Dimensionen des Menschen:

Die fünf Hüllen

(von Paingala Upanishad)

„Die fünf Hüllen sind geschaffen worden aus Nahrung,Lebensenergie, Geist, Einsicht und Glückseligkeit.

 

Das was erzeugt und geboren wird alleine mit Nahrungskraft, das was wächst
alleine mit Nahrung, das was Ruhe findet in der Erde voll von Nahrung, das ist die Hülle, die aus Nahrung gemacht ist (Anna-Maya-Kosha). Das alleine ist der grobe, der physische Körper.

 

Die fünf Lebensenergien, zusammen mit den Gliedern und Organen die wir brauchen, um zu handeln, bilden die Hülle, die aus dem Lebensprinzip geschaffen worden ist (Prana-Maya-Kosha).

 

Der Geist, zusammen mit den Sinnesorganen, ist die Hülle, die aus dem Geist selbst geschaffen worden ist. (Mano-Maya-Kosha).

 

Einsicht, zusammen mit den Sinnesorganen ist die Hülle, die aus Intelligenz geschaffen worden ist (Vijnana-Maya-Kosha).

 

Diese drei Hüllen aus Lebensenergie, Geist und Intelligenz machen den feineren Körper aus.

 

Das Erlebnis der eigenen Form ist die Hülle, die aus Glückseligkeit geschaffen worden ist (Ananda-Maya-Kosha). Das ist auch der kausale Körper.

Der Zweck von Nyasa und Yoga Nidra besteht darin, die verschiedenen Ebenen zu berühren und zu erleben, um das Bewusstsein in Gebieten zu wecken, wo es normalerweise aufgrund von Spannungen ruht, die sich beispielsweise in Organen und Muskeln befinden können. Dadurch werden  die Spannungen freigesetzt, dies ist jedoch nur ein Schritt des Prozesses. Das Ziel ist, zu erleben, dass man nicht an nur eine Bewusstseinsebene gebunden ist, sondern dass man alle umfasst – und dies führt zu der Einsicht, dass die eigentliche Identität das erlebende Bewusstsein hinter allem ist.

Dies ist mehr als eine Idee, es ist eine Erfahrung.

Um die Verwendung von Nyasa noch aus einer anderen Perspektive zu sehen, lass uns den Begriff Chakra benutzen.

Chakras – die psychischen Zentren – kleine und große

In Nyasa bewegst du dich mit einem Tempo durch den Körper, dass dir Zeit gibt, die genannten Stellen in Gedanken zu berühren, aber nicht genug Zeit, um an etwas anderes zu denken. Dadurch wird der entspannte Zustand ausgelöst. Beim Denken an diese Körperteile, oder beim Spüren, wird der ganze Körper schrittweise bewusstgemacht  – und damit auch die entsprechenden Bereiche in der Gehirnrinde. Sieh die Illustration oben: „Der kleine Mensch”.

Energiewirbel und Energieströme

Während des entspannten Zustands, der ausgelöst wird von Nyasa in Yoga Nidra, kommt man gleichzeitig mit dem feineren Körper oder Energiekörper in Kontakt. Dieser besteht aus vielen kleinen Energiewirbeln oder Bewusstseinspunkten, die wir kleine Chakras nennen können. Sie sind gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt. Zwischen ihnen fließt Prana, die psychische Energie, in sogenannten Nadis. Diese kleinen Chakra werden in Yoga Nidra berührt. (Vergleiche mit Sei- oder Genpunkten und Ki- oder Chi-Energie und Meridianen in der chinesischen Medizin; siehe auch Yoga und die feinere Energie.)

An sich ist der ganze Körper ein großes Chakra – ein Bewusstseinspunkt, ein Energiewirbel.

Die großen Chakra

Die großen Chakra haben viele Dimensionen. Auf der physischen Ebene sind sie zentrale Bereiche im Körper in Verbindung mit dem Nervensystem und den Nadis.

  • Sie sind – ganz unten im Körper über dem Damm: Muladhara
  • in der Wirbelsäule: Swadhistana, Manipura, Anahata, Vishuddhi 
  • im Kopf: Lalana
  • im Gehirn Ajna, Bindu und Sahasrara Chakra.

Es gibt noch einige mehr, aber diese sind die von uns am häufigsten verwendeten.

Muladhara Chakra. In diesem Artikel werden die verschiedenen größeren Chakra nicht vollständig besprochen. Muladhara Chakra, das fundamentale Wurzelchakra, ist nur ein Beispiel. Dieses befindet sich über dem Damm, zwischen Geschlechtsorganen und Mastdarm. Über die Chakras habe ich früher in der Artikelserie über Kriya Yoga – Eine Brücke zwischen der inneren und der äußeren Welt geschrieben und insbesondere in einem Kapitel in meinem Buch: Yoga, Tantra und Meditation im Alltag. Weiterhin habe ich ein wenig darüber in dem Kleinen Buch von Yoga Nidra zur CD Erlebe Yoga Nidra geschrieben.

 

Verschiedene Dimensionen eines Chakras

Ein Chakra beinhaltet nicht nur die physische Dimension, den Körper, sondern alle Dimensionen des Menschen. Man kann ein Chakra als ein mikrokosmisches Bild des Menschen betrachten, wie der Mensch vielleicht auch mikrokosmisch im Verhältnis zum Universum ist. Es ist jedenfalls, was die Hopi (im nördlichen Arizona) sagen:

„Der lebendige Körper des Menschen und der lebendige Körper der Erde waren auf gleiche Weise gebaut. Durch beide verlief eine Achse, beim Menschen das Rückgrat, die Wirbelsäule, die das Gleichgewicht in allen seinen Bewegungen und Funktionen steuerte. Entlang dieser Achse befanden sich verschiedene Vibrationszentren, die den ursprünglichen Ton des Lebens überall im Universum wiedergaben oder warnten, wenn etwas nicht so war, wie es sein sollte. (Book of the Hopi, F. Waters)

Die Chakras kennt man auch in anderen Kulturen, wie wir bei den Hopi Indianern in den USA gesehen haben, aber auch bei den Alchemisten in Europa und den Inuit in Grönland und in Kanada, um nur einige der klareren Beispiele zu nennen.

Erwecken

Zuerst wird der Körper durch Yoga in Harmonie gebracht. Dann werden in den Energieströmen Blockierungen durch Atemübungen und Entspannung entfernt. Yoga schafft eine solide und dauerhafte Balance im ganzen Organismus und in den Bereichen des einzelnen Chakras.

Danach wird das Bewusstsein durch Yoga Nidra, Kriya Yoga und andere tantrische Meditationen weiterhin in diesen Zentren gestärkt. Jetzt beginnt die Reinigung alter Bindungen, Gewohnheitsmuster und Hemmungen (Vritti) in den eigenen Handlungen und Vorstellungen.

So sind die Chakra bereit, erweckt zu werden, ohne dass man deshalb von dem mitgerissen wird, was sich durch die Zeiten an tief liegenden Neigungen und Handlungsmustern (Samskara) angehäuft hat.

Während des Erweckens, das am Anfang kommt und geht, bis es ganz stabil wird, setzt sich die Begegnung mit dem Inhalt der verschiedenen Ebenen des Bewusstseins fort.

„Das Schicksal eines Menschen wird von seiner unbewussten Ausstrahlung bestimmt,

hat der dänische Schriftsteller Poul Martin Møller es einmal ausgedrückt.

Das Verhältnis zwischen Körper, Gefühlen und Vitalenergie (Prana) wird durch die großen Chakras beeinflusst. Wenn sie erweckt werden, erhältst du Einsicht in verschiedene Schichten deines Wesens und in deine normalerweise unbewussten Reaktionen. Du erkennst, wie deine Zustände den Ausgang deiner Handlungen beeinflussen.

Zum Schluss können die Chakras voll geöffnet werden – die interpretierenden oder hemmenden Filter für die Strahlen oder Vibrationen der kosmischen Energie sind fort.

Wenn wir nichts mehr zurückhalten, sondern alle Chakras frei mit der Energie, die unbehindert durch die Chakras wie auch durch das Universum fließt, kommunizieren lassen, dann gehen wir in eine größere Einheit als wahre kosmische Wesen ein.

Der Regenbogen Dharma von Tan Swie Hian:

„In der Wüste sagte der Reisende zum großen weißen Licht
,Ich kann nicht in Dich hineinsehen.‛
Das Licht verwandelte sich unmittelbar in acht Regenbogen.

Oder sind oben genannte Phänomene nur eine andere Weise um zu beschreiben, dass die verschiedenen Bereiche im Gehirn als Resultat der Meditation besser miteinander kommunizieren? Das tun sie ja, wenn man die wissenschaftlichen Messungen betrachtet und die Erfahrungen der Menschen hört. Es wird ein besserer Kontakt mit den Gefühlen und zwischen Körper und Geist erreicht.

Instrumente des Bewusstwerdens

Dass man durch Nyasa die verschiedenen Bereiche in Körper und Geist bewusstmacht und sie mit Mantra (Laute), Yantra (Kraftdiagramme) und Symbolen verbindet, hat viel gemeinsam mit der Weise, in der ein Chakra bewusstgemacht oder erweckt wird.

Die einzelnen Chakra können in Nyasa auf verschiedene Weise berührt werden. Viele von ihnen verwendet man in Yoga Nidra. Hier sind einige von ihnen:

  • Durch Kontaktbereiche des Körpers (z. B. in den klassischen Yogastellungen) in denen man sie fühlt;
  • durch Töne und feinere innere Laute – das geschieht durch Chakra Vajrohan, wo man Töne in die einzelnen Chakra singt, sowie durch inneren Nada Yoga, Yoga des Tones und bis zu einem gewissen Grad durch eine besondere Art indischer Musik;
  • mental durch den Geist, was mehrere Dimensionen hat, indem man die Chakras beim Namen nennt, indem man ihr Kernmantra dort anbringt; und durch Symbole;
  • durch die fünf Elemente, ihre Symbole und Diagramme;
  • durch Tiersymbole (möglicherweise eine Verbindung zurück zum Schamanismus);
  • durch Energie, wobei auch Atemübungen eine wichtige Rolle in der Reinigung der Energiebahnen (Nadi) spielen. In Nyasa werden die Frequenzen verschiedener Energiebahnen kontaktiert, indem man an die ,Lotusblätter der Chakras Buchstaben oder Mantra ,anbringt . Diese Blätter stehen für die Energiebahnen, die mit den einzelnen Chakra verknüpft sind;
  • durch ,Schlüssel in Form von Diagrammen und Symbolen, die den Kontakt mit tieferen Dimensionen der Chakras herstellen;
  • durch Mandalas (oder Gottheiten), als Sitz (oder Vertreter) der kosmischen Energie, die durch das Chakra fließt und es offen und rein hält;
  • und durch das Bewusstsein selbst.

Woher kommt dieses Wissen von den Instrumenten und Symbolen, könnte man fragen. Wir wissen, dass solche Dinge in unseren Träumen auftreten, und deshalb könnte man antworten, dass sie vielleicht von dieser anderen, der inneren Wirklichkeit, kommen. Ja, aber sie kommen auch von den Erfahrungen der Yogis. Beschreibungen dieser Schlüssel sind zunächst nur Skizzen, bis sie später von unseren eigenen Erfahrungen bekräftigt oder abgelöst werden.

Dieser Abschnitt handelt von Berührung (Nyasa) und auch vom Erwecken, aber das ist noch längst nicht die ganze Geschichte.

Nachdem ein Chakra durch Yogamethoden und Anleitung gereinigt und erweckt worden ist, wird es Teil des bewussten Lebens. Durch Erwecken entstehen Fähigkeiten und eine größere Empfindsamkeit, eine Art von Sinnesorgan in Bereichen über das rein Physische hinaus (siehe auch Kriya Yoga – Eine Brücke zwischen der inneren und der äußeren Welt).

Darüber hinaus können einige sehen, ob ein Chakra aktiv bei einem anderen Menschen ist. Meine erste Erfahrung damit war, dass ich einen spiralförmigen Kegel aus bläulich-grauer Energie sah, der bei einem dänischen Yogalehrer, den ich in meiner Jugend kannte, aus dem Zentrum zwischen den Augenbrauen herausragte.

Chakras in Yoga Nidra

Nach meinem Lehrer Paramahansa Satyananda beginnt Yoga Nidra erst richtig mit dem Erlebnis dieser Chakras.

Im tiefen Yoga Nidra verwenden wir acht der größeren Chakras, die uns in Kontakt mit den verschiedenen Bewusstseinsebenen bringen.

Auf meiner  CD „Erlebe Yoga Nidra” benutze ich die verschiedenen Mantras (bestimmte Klangsilben), die zu den einzelnen Chakra gehören. Ebenfalls gebrauche ich visuelle Symbole in Übereinstimmung mit den Traditionen in Indien und in Europa.

Als ich die Produktion von „Erlebe Yoga Nidra”, während ich in den USA unterrichtete, begann, wurde der indische Musiker Roop Verma inspiriert – als erster in unserer Zeit – die uralten Musiksymbole der Chakras einzuspielen. Diese spezielle Musik ist mit meinem Text und meiner Anleitung während des tiefen Yoga Nidra vereinigt worden.

Die Chakras werden oft in Verbindung mit Kundalini Yoga gebracht, d.h. eine Reihe von Methoden und Meditationen, die verwendet werden, um die psychische Energie zu harmonisieren und zu erwecken. (Kundalini Yoga, als Bezeichnung oder Name, ist inzwischen auch von einer modernen Bewegung als ihr Warenzeichen verwendet worden – sie unterrichten dennoch nicht den ursprünglichen Yoga.)

Kriya Yoga z. B. ist wohl die tiefgehendste und effektivste Form von Kundalini Yoga. Es kann auf verblüffende Weise das Energiefeld des Körpers stärken, Depressionen beseitigen, Kreativität erhöhen und ein Wissen aus erster Hand von den echten mystischen oder geistigen Seiten des Lebens eröffnen.

Die Chakras sind mit bestimmten Bereichen des Gehirns verbunden. Wenn sie während Yoga Nidra entspannt und harmonisiert werden, beginnt die Befreiung von unerwünschten Zuständen, von Verwirrung und fehlender Konzentration. Menschen, die ihre Chakra durch Yoga und Meditation erwecken, eröffnen ein bisher unerhörtes Vermögen zur Kommunikation, Einsicht und Kreativität.

Bewusstsein

Bewusst werden durch Nyasa befreit von Spannungen und Trägheit und auf diese Weise heilt sie Krankheiten, aber vor allem bringt sie den Menschen in Kontakt mit allen Teilen seines Wesens.

Die Anleitung in Yoga Nidra, durch verschiedene Bereiche in Körper und Geist zu gehen, macht nicht nur den Körper bewusst, entspannter und wacher, sie trainiert auch die Fähigkeit, die verschiedenen Bereiche des Gehirns zu verwenden, sowohl die, die in Verbindung mit den verschiedenen Teilen des Körpers stehen als auch die, die in Verbindung mit den Chakra stehen.

Aus einer Untersuchung, die im Rigshospital Kopenhagen (staatliche Universitätsklinik) im Frühjahr 1997, basierend auf dem Yoga Nidra meiner Anleitungs-CD, an Lehrern der Skandinavischen Yoga- und Meditationsschule gemacht wurde, geht hervor, dass bestimmte Bereiche des Gehirns, abhängig davon, mit welchem Abschnitt von Yoga Nidra sich der Geist beschäftigt, aktiviert werden – Bilder von der Aktivität des Gehirns während Yoga Nidra – (die Teile von Yoga Nidra, die die Chakras enthalten, wurden allerdings nicht in die betreffende Untersuchung miteinbezogen).

Ein zweiter Teil der Untersuchung wurde später in London durchgeführt: Dort wurde eine „Zunahme von 65% an endogener Dopamin-Aussonderung …“ gemessen. Dieses „Glückshormon“ steigert u. a. Motivation und Zufriedenheit. Es kann auch Parkinsonpatienten nützen.

Belebung und Reinigung

Ich hatte das Glück, ein Yoga Nidra zu lernen, das genau mit Nyasa, wie es in Tantra verwendet wird, übereinstimmt. Allein das Lesen oder Studieren der tantrischen Schriften sagt wenig oder nichts darüber, wie man Nyasa verwenden kann, wie z. B. in Yoga Nidra.

In einer Schrift mit Anleitungen für Rituale und sexuelle Praktiken, Laksmi Tantra schließt Nyasa einen Verlauf ab, der Atemübungen und Reinigung der fünf Elemente enthält. Diese Praktiken werden Bhutasuddhi genannt, Reinigung des Körpers. Nyasa schlägt hier eine Brücke zwischen äußerer und innerer Reinigung.

Heißt das, dass man Körper und Geist reinigt, indem man ein Mantra auf einen bestimmten Körperteil ,setzt oder nur daran denkt? Ja, und noch weiter, indem man mit einem Mudra (Fingerstellung), oder mental, einen Körperteil berührt und ihn damit erlebt, wird er erweckt und bewusst gemacht.

Micheline Flak unterrichtet Yoga in Frankreich. Sie leitet außerdem R.Y.E. (Forschung über die Verwendung von Yoga bei Kindern in der Schule). Sie hat ein Experiment während Yoga Nidra gemacht, zuerst mit einer Gruppe von Yogalehrern auf einem Seminar und dann in ihrem gewöhnlichen Unterricht.

In Yoga Nidra geht man u. a. durch alle Teile des Körpers, indem man an sie denkt oder sie spürt, wenn sie in der Anleitung genannt werden. Man beginnt mit dem Daumen der rechten Hand, dem Zeigefinger usw. Auf diese Weise wird zuerst die rechte Seite des Körpers und danach die linke Seite erlebt. Das wird am Anfang von Yoga Nidra und normalerweise ohne Unterbrechungen gemacht.

„Nachdem ich sie durch die rechte Seite des Körpers geleitet hatte, indem sie mental verschiedene Teile des Körpers in der festgelegten Reihenfolge gespürt oder berührt hatten, hörte ich auf und bat sie darauf zu achten, ob es einen Unterschied zwischen der rechten und linken Seite des Körpers gab.

Nachher, als wir es diskutierten, waren die Schüler über den Unterschied, erreicht durch eine solch einfache Übung, verblüfft.
(Micheline Flak)

Die Schüler beschrieben, dass sie den Teil des Körpers, den sie gerade mental berührt hatten, als lebendig, leicht und behaglich fühlten. Der andere dagegen, den sie noch nicht durchgegangen waren, befand sich noch immer in dem normalen, ein wenig schweren und müden Zustand.

Von meinem eigenen Unterricht bekam ich folgenden Bericht von einer Schülerin, die jetzt Yogalehrerin ist: 

Vor vielen Jahren nahm ich an einem Dreimonatsretreat teil. Wir hatten uns bequem auf den Boden gelegt und freuten uns wie gewöhnlich über Yoga Nidra, das von Swami Janakananda geleitet wurde. Und was für ein Yoga Nidra! Aus irgendeinem Grund ging er die rechte Seite des Körpers zwei Male durch – und übersprang die linke Seite.

Das Ergebnis blieb nicht aus! Ich – und die anderen in der Klasse – erlebten, was es heißt, schief zu sein, im buchstäblichen Sinne des Wortes. Das war ein seltsames Gefühl, voll sprühender Lebendigkeit’ in der rechten Seite zu sein, wogegen es schwer war, Kontakt mit der linken zu bekommen. Es ging dann wieder vorüber, aber ich wurde daran erinnert, wie stark Yoga Nidra in der Tat wirkt.” (Shanti)

 

In der heutigen westlichen Kultur wird das Wort Entspannung für alles Mögliche verwendet. Ein Wort oder Begriff wie Entspannung ist auf Sanskrit, in Verbindung mit Yoga und Tantra, nicht üblich. Dieser Bereich wird mehr nuanciert erlebt, und wird von mehreren Wörtern abgedeckt, u. a. dem Wort Reinigung (Suddhi). Aber die Resultate der Methoden, die in diesem Begriff enthalten sind, sind dieselben, die wir unter Entspannung verstehen. Entspannung heißt, Spannungen zu entfernen, Körper und Geist werden von Spannungen gereinigt.

Dass Körper und Geist eigentlich eine Einheit bilden, ist heute allgemein bekannt. Es wird mit dem Begriff ‚psychosomatisch‘ ausgedrückt. Spannungen im Geist verursachen Spannungen im Körper und umgekehrt. Entfernt man eine Spannung im Geist, entfernt man sie im Körper. In Nyasa und damit Yoga Nidra geschieht dies, ohne dass man versucht, sich zu entspannen. Du erlebst den Körper, der ganz ruhig liegt, bewusst und das alleine löst die Spannungen auf.

Den Entschluss fasst du,

Einen Entschluss in Yoga Nidra zu verwenden ist gut und wirkungsvoll. Es wäre dumm, nicht die Richtung deines eigenen Lebens zu beeinflussen, wenn du die Möglichkeit hast.

Man formuliert nur einen Entschluss, sodass die Energie nicht zerstreut und der Geist nicht verwirrt wird. Mit verschiedenen Entschlüssen oder Visualisierungen, erreicht man sicher kleine Resultate, aber keine Tiefe und Dauer.

Eine halbe Stunde oder mehr, täglich oder dann und wann, kann man sich den gewöhnlichen Gedanken und Gefühlen gegenüber entspannen und sie vorbei fließen lassen. Wenn du dich einen Augenblick nicht an allem festkrallst, was im Geist vorgeht, erinnerst du dich, wer du bist und du wirst nicht von Zweifeln erfasst. In dem entspannten Zustand wirkt der Entschluss mit unverminderter Kraft. (Lies mehr davon im CD–Heft).

aber …

Wenn die Entspannung selbst effektiv sein soll, darf der entspannte Zustand nicht mit Techniken oder Methoden, die auf Hypnose bauen, geschaffen werden man soll nicht in einen künstlichen und begrenzten Zustand suggeriert werden.

Wenn du Yoga Nidra erlebst, wirst du bemerken, dass du zu keinem Zeitpunkt darum gebeten wirst, dich zu entspannen oder dir vorzustellen, dass ein Körperbereich sich entspannt das Wort Entspannung wird gar nicht in der Anleitung verwendet. Darum geht es nicht in Yoga Nidra.

Yoga Nidra besteht aus Techniken, die einen Zustand auslösen, in dem das ganze Wesen vitalisiert wird – das Resultat ist eine stabile und andauernde Entspannung im Körper und im ganzen Gehirn während Yoga Nidra.

Nyasa (und damit Yoga Nidra) ist grundlegend verschieden von vielen modernen Therapien.

„Versuche nicht, die Mentalität der Menschen zu verändern. Nach dir kommt sowieso irgendein Hitler und zerstört das Ganze wieder,

sagte Swami Satyananda einmal zu mir, als ich bereit war, nach Europa zurückzukehren, um zu unterrichten. Er schockierte mich tief, indem er ein so kräftiges Bild benutzte was meinte er damit?

Was hilft es, alles von den Autoritäten erklärt zu bekommen, ehe du es selbst erlebst? Die Menschen werden nicht frei, wenn du sie nicht durch eigene Praxis lehrst, eine wirkliche Unabhängigkeit von Einflüssen und eine Transformation von Körper, Geist und Bewusstsein zu erreichen.

Swamiji meinte, mit anderen Worten, dass ich, anstatt zu versuchen, die Lebensanschauungen und Gewohnheiten anderer Menschen zu verändern, ihnen lieber helfen sollte, sich selbst Überblick, Einsicht und Weisheit anzueignen.

Damit ist nicht gesagt, dass sie Konsequenz und Ausdauer vermeiden sollten.

Erlebnis, Einsicht und Erkenntnis sind Gegensätze zur Hypnose. Hypnose ist, wie ein Räucherstäbchen in einem Zimmer brennen zu lassen, wo es riecht, um den Geruch zu dämpfen. Das Vermögen zu erleben, bewusst zu machen, ist wie sauberzumachen und das Zimmer zu lüften. Persönlich wünsche ich mir keine Methoden, die mich programmieren, sondern solche, die mich von alten Programmen befreien und mein Bewusstsein erweitern.

„Alles ist Hypnose“, sagst du vielleicht und das kann ich gut verstehen. Wir werden von der Wiege bis zum Grab von allem Möglichen beeinflusst. Gerade deshalb benötigen wir manchmal Werkzeuge, um Körper und Geist von Eindrücken, Gewohnheiten und automatischem Denken zu entleeren.

Die Befreiung durch Aufmerksamkeit und Einsicht besteht gerade darin, den Einfluss, dem man ausgesetzt ist, zu durchschauen. Der Weise reagiert nicht gegen den Einfluss, er versucht ihn nicht anzuhalten, er erlebt alles, bekommt Erfahrung und lässt das fahren, wofür er keinen Bedarf hat. Auf dieser Grundlage entstehen die Meditationen.

Mythen, die wir beständig schaffen, um das direkte Erlebnis des Lebens zu vermeiden, sind im höchsten Grad Hypnose. Mit Hypnose treten oft Vorstellungen über die Wirklichkeit anstelle der Wirklichkeit selbst auf. Durch die Geschichte der Menschheit haben wir zahlreiche Beispiele dafür gesehen, wie die Menschen wissen wollten, was sie über die Wirklichkeit denken sollten, anstatt sie selbst zu erfahren. So gewappnet kann man dann uneinig mit ,den anderen sein, die ein anderes Weltbild angenommen haben als man selbst. Verschiedene Auffassungen der Wirklichkeit können so zusammenstoßen und im großen Maßstab religiöse und politische Kriege verursachen.

Die Menschen, deren Erwartungen nicht von den Versprechungen der neuesten Mythologie oder Therapie erfüllt werden, enden oft in einem Zustand der Bitterkeit und Frustration – und suchen die Ursache außerhalb ihrer selbst. Manchmal wird sogar der Lehrer, der einen aus der Gebundenheit heraus leiten sollte angeklagt. Ungeachtet dessen wie fähig der Lehrer ist, ist er doch nicht verantwortlich für die Erwartungen der Schüler – wenn er oder sie, wohlgemerkt, nicht dazu beigetragen hat, sie zu schaffen. Letzten Endes sind das Individuum und die Gesellschaft selbst verantwortlich für die Vorstellungen, die sie schaffen und kein anderer ist dafür verantwortlich, wenn sie nicht erfüllt werden.

Intoleranz gegenüber Andersdenkenden entsteht nicht unter den Leuten, die erleben und erfahren anstatt zu theoretisieren. Mein Erlebnis ist persönlich und ich sehe ein, dass andere nicht unbedingt mein Erlebnis und meine Auslegung brauchen – sie haben ihre eigenen. Wir haben jedoch alle denselben Körper mit den gleichen Organen und gleichem Nervensystem und einen mehr oder weniger gleichen Geist, das zeigt uns sowohl die moderne Wissenschaft als auch die tausendjährige Tradition und Erfahrung von Yoga und Tantra. Deshalb kann man Techniken und Methoden, die ungeachtet von Lebenshaltung, Nationalität, Hintergrund und Alter wirken, ableiten und bewahren.

Jeder steht vor einer Wahl …

Natürlich müssen wir eine Wahl bezüglich darauf treffen, was wir mit unserem Leben tun wollen, und von daher entscheiden, welchen Einflüssen und Plänen wir folgen möchten. Der Gegensatz hieße, hinter dem Lenkrad eines fahrenden Autos zu sitzen, ohne es steuern zu wollen. Und je höher wir das Ziel setzen, desto besser rücken sich die Sachen von allein zurecht.

„In dem Augenblick, in dem man sich wirklich für etwas entscheidet, bewegt sich die Vorsehung auch. Allerlei Dinge geschehen um zu helfen, die sonst nicht geschehen wären.

Ein ganzer Strom von Begebenheiten fließt von dem Entschluss und bringt allerlei unvorhergesehene Ereignisse, Begegnungen und materielle Hilfe mit sich, was keiner hätte vorhersehen können. (W.H. Murray, inspiriert von Goethe)

Was immer du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es. Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft. Beginne es jetzt!” (Johann Wolfgang Goethe)

Was Goethe hier ausdrückt, ist kein Postulat, sondern eine Erfahrung, die er weitergeben möchte. Auf diese Weise ist er Mystiker und kein Prediger, der eine auswendig gelernte Doktrin wiederholt.

In diesem Prozess muss klar sein, dass es ein Gleichgewicht zwischen der Fähigkeit Einfluss zu nehmen (eigener Entschluss in Yoga Nidra) und der Bewusstwerdung geben soll. Der Ausdruck Bewusstmachen bedeutet nach meiner Ansicht weder Analyse noch Beurteilung, sondern Berührung, Aufmerksamkeit, Empfindsamkeit, Teilnahme und Anbringen des Bewusstseins, Nyasa.

Zu fühlen oder zu spüren oder an eine Stelle nur zu denken ist genug, um sie zu beleben. Um aufmerksam zu sein auf die Möglichkeiten, die das Leben zur Verfügung stellt, um den Mut zu haben sie anzunehmen, heißt bewusst zu leben.

„Ein großer Heiliger, ein Mahatma, ein Yogi, oder ein Gyani lebt auf dieser Erde wie jeder andere Mensch. Er denkt, genießt und isst wie die anderen. Der große Unterschied zwischen einem Yogi und einem gewöhnlichen Menschen ist, dass er seine schlafende Fähigkeit, die Bewusstsein heißt, erweckt hat, wo der gewöhnliche Mensch es nicht hat. Er ist immer bewusst. Er wird ein Drastha genannt – Seher. Er ist der Zeuge der Ereignisse. Dein Ziel auf dem Weg der Verwirklichung und Erweckung des schlafenden Potentials sollte sein, allmählich diese Fähigkeit der Bewusstheit in dir zu entfalten. Werde ein Seher… (Paramahansa Satyananda)

 Yoga Nidra

Bewusstmachen, indem man an bestimmte Stellen im Körper, in einem genau festgelegten Verlauf denkt oder indem man diese Bereiche in einem genau festgelegten Verlauf spürt, oder auch, indem man die Namen der Stellen mental nennt, ist die einfachste, die ursprünglichste und vielleicht gerade deshalb die fruchtbarste von allen Nyasa Praktiken, zusammen mit dem Erleben von Wärme oder Kälte, Schwere oder Leichtigkeit, Schmerz oder Freude und was Yoga Nidra sonst enthält über die Chakras, bestimmte Symbole und Landschaften, an die man sich erinnert.

Im tiefen Yoga Nidra, werden alle Teile deines Wesens durch Nyasa berührt, genannt und vitalisiert alle deine Möglichkeiten. Es ist dieses Erlebnis, das Wohlbefinden und Klarheit hervorruft. Der Zweck ist, zu erfahren, dass man nicht an eine bestimmte Bewusstseinsebene gebunden ist, sondern dass man in voller Bewusstheit alle enthalten kann. Das führt zu der Einsicht, dass die eigentliche Identität , das erlebende Bewusstsein, in oder hinter dem Ganzen ist.

„Wenn Bewusstsein deutlich getrennt ist von aller mentalen Aktivität,
Wenn Wachzustand, Traum und Tiefschlaf vorbeiziehen wie Wolken,
Und Bewusstheit im Sein dennoch besteht –
Dies ist das Erlebnis von vollständiger Entspannung …
Darum wird im Tantra gesagt:
Yoga Nidra ist der Eingang zum Samadhi.“
(Swami Satyananda)

Es ist Paramahansa Satyanandas Genialität, gerade diese wirksamen Methoden in Yoga Nidra zu verwenden, und es ist sein Verdienst, den Gebrauch von Nyasa durch die Yoga Nidra-Entspannung zu enthüllen, auf eine Weise, dass jeder Mensch Freude dadurch haben kann.

Eine Bemerkung zum Abschluss

Der Zustand desjenigen, der Yoga Nidra anleitet ist sehr wichtig; dieser Mensch muss eine lange und tiefe Erfahrung mit Yoga haben, ehe er oder sie sich daran macht, diese außergewöhnliche Praxis zu unterrichten.

Dieses Wissen wurde nicht nur von Swami Satyananda in seiner Lehre hervorgehoben. Es ist eine Einsicht, die z. B. von Prof. Larry Scherwitz in seiner Unterhaltung mit Prof. Thomas Schmidt im Artikel: „Den meisten Stress erzeugen wir selber!“ geteilt wird:

Yoga hat eine lange Tradition über viele Jahrhunderte, aber sehr oft wird es auf eine oberflächliche Weise verwendet, und manchmal nennen Leute sich Yogalehrer, die keine ordentliche und grundlegende Ausbildung haben.
 Meinen Sie, dass es wichtig ist, dass die Yoga- und Meditationstechniken in Ihrem Rehabilitationsprogramm auf einer ordentlichen Grundlage stehen und von Leuten unterrichtet werden, die sich mit diesen Techniken wirklich auskennen?

Die Yogalehrerausbildung ist sehr wichtig. Als wir die zwölf Krankenhausgruppen unterrichteten, haben wir festgestellt, dass es nicht so gut funktioniert, wenn man eine/n KrankenpflegerIn nimmt, sie/ihn sechs Wochen lang in Yoga unterrichtet, und sie/ihn dann als YogalehrerIn einsetzt. Es ist besser, eine/n YogalehrerIn zu nehmen, die/der seit 20 Jahren unterrichtet, und ihr/ihm ein wenig Medizin beizubringen ‑ über das Herz, und wie die Patienten versorgt werden sollen.
Es scheint deswegen wichtig zu sein, nicht einfach ein wenig Ausbildung zu erhalten, es geht vielmehr um die Verwandlung einer Person, d. h. ein Gefühl davon zu haben, wer man ist, was dadurch entsteht, dass man viele Jahre lang mit sich selbst gearbeitet hat, ruhig geworden ist und dadurch eine Zuversicht und innere Begeisterung zeigt, die Patienten motiviert, auch diesen Weg zu gehen. Es ist also ein entscheidender Punkt.

Ich würde nicht wollen, dass ein Yogalehrer eine geringere Ausbildung erhalten hat als ein Internist oder ein Chirurg. Daher ist es unsere Erfahrung, dass wir engagierte Yogalehrer brauchen, die sich lange Zeit damit beschäftigt haben.


Illustrationen: Die nackte Frau, die in Yoga Nidra liegt und das gelbe Yantra ganz am Ende sind von Bjarke, Bergen, Norwegen. Das Foto von Swami Janakananda wurde von Omkarananda gemacht. Die Illustration zu Muladhara Chakra stammt von Anandananda. Das aus verschiedenfarbigen ineinander liegenden ovalen Formen komponierte Bild, basiert auf einer Idee von Swami Janakananda und wurde ausgearbeitet von Turiya.